Beiträge

Der große Sprung

Die Größe macht doch den Unterschied / GSVE-Talent Jan-Philipp Krabel geht an den Volleyball-Bundesstützpunkt

Delitzsch/Berlin. Er ist geglückt, der Sprung. Delitzschs Volleyballtalent number one Jan-Philipp Krabel geht an den Bundesstützpunkt nach Berlin. Dort werden die jungen Riesen bekanntlich zurechtgebogen, um dem hehren Ziel näher zu kommen - den Olympischen Spielen. In einem Monat beginnt das große Schmieden.
Wozu braucht es aber noch den Krabel-Effekt, wenn an der Ausbildungs-Mannschaft schon seit einem Jahr geschraubt wird? "Wer im Zwischenjahr gezogen wird, mit dem habe ich ernsthaft noch was vor", erklärte es Daniel Sattler in einfachen Worten. Sattler war im Februar noch Stützpunktleiter, als Krabel zum Probetraining an der Spree aufschlug. Mittlerweile ist Jörg Papenheim des Volleyball-Nachwuchs Glückes Schmied. 
Verantwortlich für den Wechsel ist Daniel Herrmann. Er hatte den Delitzscher Hünen gesichtet. Dank einer freundlichen Vogelzwitscherei von der Pleiße. Denn Krabel besucht in Leipzig das Sportgymnasium. Dort wird er außerdem für die Landesauswahl fit gemacht. Und in ebendieser war der 2,01-Meter-Mann scheinbar nicht zu übersehen. Aber was macht ihn nun aus, diesen Kerl?
"Die körperlichen Merkmale bilden die Grundvoraussetzung, also seine Größe", macht Herrmann keinen Hehl aus dem Hauptaugenmerk bei der Entscheidungsfindung. Heißt übersetzt: Groß muss er sein! Und groß ist er - mit seinen 2,01 Meter, wohlgemerkt im Alter von 16 Jahren! Dazu kommt, dass Krabel Linkshänder ist. Im Volleyball so begehrt wie Wasser in der Wüste! "Außerdem hat er sich beim Probetraining gut verkauft, ist zielstrebig und ehrgeizig", beschreibt der Auswahltrainer seinen Rohdiamanten. Mit dem hat die Riege so einiges vor. Krabel soll zweigleisig trainiert werden. Quasi als eine Universal- waffe am Netz. Eine, die zuspielt und selbst angreifen kann. So lautet der Plan. 
Um diesen umzusetzen hat der Coach drei Jahre Zeit. Jan-Philipp greift mit der Auswahlmannschaft in der 3. Liga ein. Stufe um Stufe geht es nach oben. Oft werden die Grünschnäbel als Kanonenfutter verspottet, gar als unabsteigbare Punktelieferanten. Für die Herren vom Verband sowieso reine Auslegungs- sache. Fakt ist, dass die Jugendlichen so anders und vor allem deutlich mehr gefordert werden, als daheim im eigenen Saft dahin zu köcheln. 
Sattler bezeichnete die knapp einhundert Spieler am Stützpunkt in Berlin als die "Perlen der Nation". Auf drei Säulen baut das Projekt der Nachwuchsförderung auf. Alle zwei Jahre wird ein neues Team generiert, sowohl im weiblichen als auch im männlichen Bereich. Dazu gesellt sich die Sparte Beach- volleyball und der Anschlusskader. Ziel ist es, ein schlagkräftiges Team für die Junioren-Weltmeisterschaft zu schaffen, als auch ein Olympia-Team. Mit einem positiven Nebeneffekt: Spieler für die Bundesliga bereitzustellen. Weil aber in dieser Sportart auch als Profi in Deutschland nicht Millionen abschöpfbar sind, wird auch darauf geachtet, was in der Schule passiert. Wird da nicht pariert, sinkt das Trainingspensum, während das des Lehrens und Lernens steigt. Nur unter dieser Maßgabe gaben die Krabels ihrem Sohn das Okay fürs Internat. 
Der muss dann täglich zweimal ran, vor und nach der Schule schrubben, was das Zeug hält. Gut dabei, dass er sich auf einem Campus bewegen wird. Auch der Internatsplatz ist ihm sicher, der einzige Knackpunkt, an dem die Volleyball-Ausbildung hätte scheitern können. 
Für Krabel Junior ändert sich eigentlich nicht viel. Schließlich stand ähnliches auch in Leipzig beim Training an, zudem das Training beim GSVE in Delitzsch, Spiele in der Sachsen-Auswahl und Punktspiele. Einziger Einschnitt: Internatsleben statt trautes Heim - soll auch die Selbstständigkeit fördern.
Ganz unbekannt ist ihm die Berliner Elite auch nicht. Zwei Jungs kennt Krabel schon. Zum einen: Philipp Kasch. Mit ihm spielte der 16-Jährige einst gemeinsam in Leipzig, bevor er vor einem Jahr an den Stützpunkt delegiert wurde. Christoph Marks vom Schweriner SC ist der Zweite im Bunde, mit dem sich Krabel versteht. Ansonsten sollte wohl der Volleyball in Zukunft der beste Freund werden. Wilson muss er nicht gleich heißen. 
Wohin die Reise geht? Jan-Philipp Krabel bleibt Realist. "Ich bin nicht automatisch in der Nationalmannschaft, werde aber alles versuchen." Welche Rolle er letztendlich im Herrmann-Team spielt, ist ebenso offen. von Alexander Bley