Wo Freundschaft aufhört

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2. Volleyball-Bundesliga: GSVE kämpft in Friedrichshafen, legt im entscheidenden Moment nicht nach

VON ALEXANDER BLEY
Friedrichshafen/Delitzsch. Zwei Städte, die trotz ihrer Unterschiedlichkeit verbandelt sind. Seit nunmehr 29 Jahren. 1990 da war alles grau am Lober. Selbst jenes Rinnsaal, das sich durch Delitzsch schneidet, hatte eine nicht ganz so natürliche Farbe, nebst dem seltsamen Geruch, der da aufstieg. Die Stadt am Bodensee schien wie eine andere Welt. Bunt und aufregend.

Trotz der Gegensätze, die auf den ersten Blick zusehends schwinden, hält diese Freundschaft. Weil damals die Anderen hier halfen Strukturen in der Verwaltung aufzubauen. Und weil heute viele von hier damals dort unten einen neue Heimat gefunden haben. Eigentlich schön, dass seit Jahren auch via Sport – Volleyball – an diese Verbundenheit erinnert wird. Nur, da hört sie dann aber auch auf, die Freundschaft.

Im Sport gilt dem Gegenüber dieses Mitgefühl nicht. Sonst wäre der Wettstreit obsolet. Zum Glück nur für die Zeitspanne zwischen An- und Abpfiff. Es gibt Grenzen, ethische und moralische. Nun reichte ausgerechnet der GSVE den jungen Häflern am Sonntag den kleinen Finger. Das ärgerte nicht nur Julius Fritsche, seines Zeichens Libero der Delitzscher, der erneut zum bestens Spieler der Partie auf Seiten der Recken gewählt wurde. „Ich sage es extra in der Pause zwischen dritten und viertem Satz. Wir hatten die Jungs am Boden, geben wir ihnen jetzt den kleinen Finger, reißen sie uns den Arm ab.“ Bis dahin hatte sich das Team von Trainer Frank Pietzonka in der ungeliebten ZF Arena eine 2:1-Satzführung erkämpft. Satz eins ging 25:23 an die Gymnasialen, Satz zwei 25:22 an die Youngstars vom Bodensee. Durchgang drei schien der Wellenbrecher für den GSVE: 25:17.

Es hätte das perfekte Wochenende im Süden werden können. Sechs Zähler, ein großer Sprung im Tableau. Es wurde nur so semi.

Weil eine gefühlte Sicherheit einsetzte. Eine Zufriedenheit, die lähmte. Die einen dann plötzlich wie eine Welle aus dem Nichts verschluckt und erst ausspuckt, wenn es zu spät ist. Prompt lagen die Recken 0:3 zurück. Kurz noch abfangbar, mit weiteren Schlafmomenten versehen, aber aussichtslos. Leon Zimmermann ballerte per Aufschlag den GSVE in die Besinnungslosigkeit. 12:7 führte damit Friedrichshafen. Böses Erwachen beim 15:25 für die Delitzscher, die im Tie-Break nach 11:11 wegbrachen und den Satz 12:15 abschenken.

Was bleibt: ein Trostpunkt beim bitteren 2:3 bei einem zweifelsohne stark aufspielenden Gegner. Friedrichshafen ist in dieser Saison beileibe kein Kanonenfutter. Dennoch hätten die Spieler den Sack selbst zubinden müssen. Erklärt werden muss das den Jungs nicht. Die haderten nach dem Vier-Punkte-Wochenende an Dreisam und Bodensee auf der ewig scheinenden Heimfahrt durch die Dunkelheit am meisten mit sich gehadert.

Im Bild: Julius Fritsche (rotes Trikot, hier im Spiel gegen Mimmenhausen) ist in Friedrichshafen wieder bester Delitzscher. Foto: Alexander Bley

 

LVZ Leipziger Volkszeitung, 19.11.2019