„Keine Samthandschuhe mehr“

IMG 5915

2. Volleyball-Bundesliga Süd: Der GSVE Delitzsch muss an diesem Wochenende zweimal auswärts bei der direkten Konkurrenz ans Netz
 
Von Emil Timm
Auf die Urgewalt von Mittelblocker Robert Karl (schwarzes Trikot) baut der GSVE in Freiburg.Foto: Alexander Bley
 

Delitzsch. „Ich ziehe keine Samthandschuhe mehr an. Das, was auf dem Parkett gebracht wird, bringe ich in die Öffentlichkeit“, bekräftigt GSVE-Trainer Frank Pietzonka seine Herangehensweise. Die ist seit dem Spiel in Grafing offen, kritisch und hat einen Adressaten. Weil dieses Wochenende für die Zweitliga-Volleyballer richtungsweisend sein kann? Gnadenloser Abstiegskampf oder (vorerst) ruhiges Fahrwasser.

Fakt ist, dass der GSVE bei zwei Teams in der Fremde ran muss, die sich momentan hinter ihm einreihen. Allesamt ganz tief im Süden. Freiburg (Sonnabend, 20 Uhr, Burdahalle) und Friedrichshafen (Sonntag, 16 Uhr, ZF Arena). Die Badener sind mit vier Zählern Tabellenvorletzter. Das Nachwuchs-Team aus Delitzschs Partnerstadt ist Zehnter mit sieben Punkten. So viele haben auch die Recken vom Lober, die einen Platz darüber thronen. Von richtungsweisend möchte der Coach der Delitzscher Volleyball-Elite nicht sprechen: „Ich binde ihnen keinen Rucksack auf, der sie nochmal zehn Kilo schwerer macht. Wir spielen auswärts in Freiburg, danach in einem riesigen Karton mit vielen Eigenarten.“ Der 56-Jährige zieht beide Auftritte zurück auf die Normalebene.

Aber ganz normal wird die Partie im Breisgau beim Wildcard-Team nicht. Der Burda-Dschungel wird ein letztes Mal in Grün getaucht, danach gehen die Lichter aus. Die seit Jahren bitter nötige Renovierung der Halle beginnt.

Der Abschied vom halben Glaskasten scheint unwahrscheinliche Magnetkräfte auf die Freiburger zu haben. Spiele vor 700 Zuschauern waren vergangene Saison, in der die Turnerschaft eigentlich abgestiegen wäre, keine Seltenheit. Im Pokal kochte das Haus mit 1100 Gästen. Das macht Druck auf dem Kessel und dicke Luft.

„Ich glaube, wir können mit einem großen Publikum umgehen, haben in Leipzig schon vor 800 Zuschauern gespielt und waren schon oft in Freiburg“, zieht Pietzonka diesen Zahn: „Die Jungs wissen, was ich von ihnen verlange. Keine Ausreden, sie sollen durch die Halle fliegen und sich gegenseitig helfen.“

Übrigens gab’s da auch schon Positives in der Stadt an der Dreisam – 2012 holte der GSVE in der Burda-Halle die Meisterschaft. Mit einem selbstbewussten Auftreten.

 

LVZ 16.11.2019