GSVE stirbt in Schönheit und verschenkt zwei Punkte

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2. Volleyball-Bundesliga: Delitzsch verliert Fünf-Satz-Krimi nach 2:0-Führung gegen Unterhaching
Von Alexander Bley

Nimm du ihn, ich hab ihn sicher: Robert Karl (Mitte) & Co. vom GSVE schauen dem Ball der Hachinger hinterher, für den sich keiner verantwortlich fühlt. Foto: Alexander Bley

Delitzsch. Das muss es sein! 2:0 nach Sätzen, gerade mal eine Stunde war in der Beckerschachtel am Sonntag gespielt: Der GSVE Delitzsch schubste die zweite Garde der Alpenvolleys ins Tal der Tränen, dominierte brachial, ließ keine Luft ran. Geknickt – mit dieser Körpersprache verabschiedeten sich die Unterhachinger in den Kabinentrakt.

Der GSVE? Leicht und locker, unkonventionell, aber zielstrebig – bis dahin. Gerader Rücken. Was dann in der Kabine passierte, bleibt ein Rätsel. La Paloma tanzen? „Nein, es waren ernste Gespräche“, sagte der Delitzscher Philipp Thielow nach der gut zweieinhalb Stunden währenden Partie bei der Suche nach dem Warum. „Eigentlich ist das ein 3:0, aber wir waren vielleicht zu selbstsicher. Da lässt du ein, zwei Bälle weg und baust den Gegner wieder auf“, legte der Hauptangreifer nach.

Zur Ehrenrettung der Gymnasialen: Bis zum Bruch im Spiel vor 327 Zuschauern war das schon Sahne, was die Gymnasialen am Netz zeigten. Satz eins: Nervenstärke. Satz zwei: pure Dominanz. „Ganz ehrlich, an den Ausgang habe ich zu dem Zeitpunkt nicht geglaubt“, gestand der gestandene Roy Friedrich, Kapitän der Hachinger. „Kurzzeitig waren unsere jungen Spieler mental am Tiefpunkt.“

Die Recken vom Lober erspielten sich im ersten Satz einen komfortablen Vorsprung, führten 21:17, um sich dann 21:22 kassieren zu lassen. Der Verursacher Paul Lohrisch machte seine kleine Fehlerserie in der Annahme wett, blockte erst, um dann mit einem Aufschlagass den ersten Satzball für den GSVE zu holen. Letztendlich machten die Delitzscher den Sack dann doch erst mit 33:31-Punkten zu.

Danach brachen die Unterhachinger völlig weg. Libero Krystian Korbankolev bekam kein Bein mehr aufs Linoleum. Auch der Rest spielte mehr schlecht als recht. Angriffe ins Nirwana oder in den Block der Gymnasialen. Von 11:8 schraubte sich der GSVE auf 17:10 von dannen und mit 25:15 ins Ziel. Robert Karl nagelte den Ball gnadenlos aufs Parkett.

Dann kam die Pause. „Die bricht den Spielrhythmus, aber es auf die Pause zu schieben, wäre zu einfach“, erklärte
Thielow. Der dritte Akt ging gehörig in die Binsen: George Alexandru Zahar ballerte fünf Kugeln von der Aufschlaglinie ins GSVE-Getümmel. Lukas Fritsche fiel dem zum Opfer. Zwar stabilisierte sich der GSVE, kam aber nicht mehr an den Hachingern vorbei. „Wir fallen in ein Loch, haben es nicht geschafft, den Druck der ersten beiden Sätze obenzuhalten“, konstatierte Trainer Frank Pietzonka nüchtern. „Danach lassen wir zu viel Luft ran.“

Dem 22:25, folgte ein bitteres 24:26. Dabei schien der Schock nach dem dritten Akt überwunden. Unterhaching hatte wieder Gummibeine und -arme in der Annahme, außerdem das Zielwasser verschüttet. 14:9, 21:16 – es folgte die Parallele zum ersten Satz. Eric Paduretu, der Anfang des Satzes noch vom Feld getragen wurde (umgeknickt) schritt zum Aufschlag, als wäre nichts gewesen. Fünf Aufschläge in Serie brachen die GSVE-Dominanz. Zwei Fehler der Delitzscher besiegelten den Durchgang und eröffneten dem Glück Tür und Tor. Nichts anderes ist der Tie-Break.

„Delitzsch hat vier Sätze den Aufschlag fast fehlerlos durchgebracht, ich glaube, am Schluss ist es Frust, weil sie die drei Punkte verschenkt haben“, wertete Hachings Friedrich. Danach sah es zumindest aus. Sichtlich satt drehte Paul Lohrisch ab, als sein Aufschlag ins Netz fiel. Das blau-gelbe „Hassobjekt“ wäre womöglich nun im Orbit, wenn die Hallendecke das nicht verhindert hätte. Julius Fritsche hätte das Ding am liebsten in die Umlaufbahn um die Erde geschickt. 11:15. Die Niederlage war besiegelt. „Über das gesamte Spiel kannst du keinem einen Vorwurf machen, sodass er hätte rausgemusst. Die Fehler verteilen sich auf der gesamten Mannschaft“, fasste Coach Pietzonka zusammen.

Dem Schlechten etwas Gutes abgewinnen konnte Philipp Thielow dennoch: „Gerade für uns junge Spieler ist das auch eine Erfahrung, sonst heben wir vielleicht ab. Wir spielen gegen den Abstieg. Das ist eine gute Lehre, auch wenn der Ausgang schade ist.“

GSVE Delitzsch: Pardini Glaser, Vanselow, Bauer, Karl, Thielow, Miersch, Lohrisch, T. Pietzonka, Maaß, Fritsche, Winkler, Kreißl. Z.: 327.