Zurück zum Glück: Der GSVE startet prächtig

lvz 19 09 16
 2. Volleyball-Bundesliga: Aufsteiger Delitzsch bezwingt Mimmenhausen in vier Sätzen 
 
Von Alexander Bley
Delitzsch, wie es hüpft und lacht. Der GSVE hat den ersten Sieg der Saison eingefahren. Felix Winkler (rotes Trikot) und Lukas Kreißl jubeln. Foto: Alexander Bley

Delitzsch. Die einjährige Abstinenz hat scheinbar gierig gemacht. Denn mit einer gewissen „Geilheit“ hat sich der GSVE Delitzsch am Sonnabend zurückgemeldet in der 2. Liga. Dank des 3:1-Triumphes (25:20,18:25,25:18,25:20) gegen den TSV Mimmenhausen. Die Gymnasialen sind wieder da – herzlich willkommen zurück!

Mit Genie und Wahnsinn – also Zauberbällen sowie Angriffen ins eigene Feld – das ist dem eingefleischten Fan in der Beckerschachtel bekannt. Und dennoch wohnt dem Ganzen ein spezieller Zauber inne, der Gegner zur Verzweiflung treiben kann. Erstes Opfer der blutjungen Saison in der blutrünstigen Südstaffel der 2. Volleyball-Bundesliga war der TSV Mimmenhausen um Ex-Nationalspieler Christian Pampel. 22.12 Uhr schlug der Gong der guten Ruhla-Wanduhr, als Robert Karl Lärmpegel und Blutdruck der etwa 200 Gäste im Delitzscher Osten in die Höhe trieb. Die ersten drei Punkte im Sack.

Zurück zu den 200 Anwesenden. Jene, die gleich mehreren Goldenen Kälbern entsagten – quasi dem omnipräsenten Fußball. Der große FC Bayern kickt im Bauch des Zentralstadions in Leipzig gegen die Bullen (1:1). Ad zwei: Handball. NHV gegen Aschersleben, Oberliga (31:27). And last but not least: Das Lichterfest in der City. Ohne diese Eventhäufung hätten sich wahrscheinlich die Ziegel des Beckerkartons aus Platzmangel nach außen verschoben.

TSV-Coach Pampel war sich sicher, wie Delitzsch im Zaum gehalten hätte werden können: Das erste Tempo in den Griff bekommen. Quasi den GSVE zur Schrittgeschwindigkeit zwingen. Ergo die Mittelblocker Robert Karl und Philipp Maaß ausschalten. „Das haben wir das ganze Spiel nicht in den Griff bekommen“, konstatierte der 40-jährige Spielertrainer. „Unsere Mitte hat bestätigt, dass sie eine Waffe ist. Wir müssen bloß eher die Kurve bekommen“, fasste sein Konterpart und ebenfalls Ex-Nationalspieler Frank Pietzonka zusammen. Zur Kurve später.

Auf der Geraden zeigten die Recken vom Loberhügel das, was sie noch eine Woche zuvor beim Krostitzer-Cup vermissen ließen. Mehr Druck im Aufschlag, eine gute Feldabwehr neben einer soliden Annahme. Wenn das funktioniert, dann passt er, der Spruch von Ochs und Esel, der im Realsozialismus so gern verwendet wurde.

Die Kurve, die wurde im 2. Satz angesteuert. „Da wird es ein Krampfspiel“, erklärte Pietzonka. Der Druck schwand – im Aufschlag und der Annahme. Die Mitte wird blickdicht gemacht. „Die Außen nageln sich fest“, sagte der Coach, „und dann liegen wir sechs Punkte hinten.“ Folgerichtig wechselte er durch – gab dem einen Tross Einsatzzeiten, dem anderen Zeit zu verschnaufen.

Und dann war es wieder da, das Selbstbewusstsein. Doppel und Dreierblöcken wurde getrotzt. „Wir wussten, wie sie spielen“, ärgerte sich Pampel. Weil die Badener mit Manpower die Karl und Maaß stoppen wollten, hatten Delitzschs Außen freie Bahn: „Es war alles offen, sie konnten einfach draufhauen“, fasste der TSV-Coach die Misere zusammen. Den Gegenpol beschrieb Thomas Ahne: „Wir haben versucht, uns auf den ersten Satz zu besinnen, im Block und in der Feldabwehr. Dann machen wir ein, zwei Bälle mehr tot und spielen uns rein. Dann waren wir im Tunnel.“

Überragender Spieler des Tages, trotz ein paar Fahrkarten im Aufschlag war Robert Karl. Und die Ritter Sport des Volleyballs: Lukas Kreißl. Sein Engagement in der Vorbereitung wurde mit einem Startplatz belohnt. Das zahlte der 23-Jährige zurück. Vertrauen nennt man das. „Lukas spielt mit Hirn und Auge“, lobte Pietzonka. Der angehende Mediziner antwortete nonchalant: „Es war einfach geil. Erstes Spiel in der 2. Liga. Super viel Zeit auf dem Feld. Und dann ein 3:1.“ Sprach er und stob von dannen, um sich eine Cola zu gönnen.

GSVE Delitzsch: Pardini Glaser, Bauer, Karl, Ahne, Kreißl, Maaß, Winkler, Fritsche, Thielow, Vanselow, Lohrisch, T. Pietzonka. Z.: 200.

 

LVZ, 16.09.2019