Alle Augen auf...

schweigen

Schweigen. Eine Minute hielten am Sonnabend knapp 200 Leute in der Beckerhalle inne. Gedacht wurde Marco Gerschke, dessen Lebenslicht im Alter von lediglich 47 Jahren vor ein paar Tagen erlosch. Der Vater von zwei Söhnen hatte sich in den vergangenen Jahren besonders für den GSVE-Nachwuchs engagiert und nebenbei Sponsoren für den kleinen Volleyballverein vom Lober akquiriert. Präsident Jörg Holzweißig würdigte vor der Partie gegen den TSV Friedberg dessen Verdienste und bekundete der Familie sein Beileid. Mit einem Pfiff des Schiedsrichters wurde das Schweigen beendet.

 

Und das vorletzte Heimspiel der Recken in dieser Drittliga-Saison eingeläutet. Es sollte ein souveränes werden, bis auf ein paar kurze Aussetzer. Bestrafen konnte die der Kontrahent nicht, zu viel war der TSV mit sich selbst beschäftigt. „Wir haben es nicht geschafft, die Mentalität aufs Feld zu bringen, die es gegen den Tabellenführer braucht. Wir haben eingeschüchtert gespielt, obwohl wir nix zu verlieren hatten“, fasste Spielertrainer Christian Hurler den lediglich 60-minütigen Auftritt seines Team zusammen. Friede, Freude, (F)Eierkuchen auf Seiten der Gymnasialen? Im Team ja, dagegen brodelte es bei Trainer Frank Pietzonka nach dem 3:0. Dem Coach, der gestern seinen 56. Geburtstag beging, war der Auftritt nicht souverän genug. „Da musste ich mal ein bisschen laut werden“, kommentierte er das 25:17, 25:18, 25:19. „Diese Zufriedenheit kann nicht sein, so ein Spiel muss auch mal zu 15 beendet werden. Dieser Ehrgeiz muss auch in solchen Spielen da sein“, fauchte der Trainer der Delitzscher.

Dabei begann doch alles so glatt. Aufschlag-Ass Vanselow, ein TSV-Angriff ins Nirwana, zudem ein brachialer Block von Robert Karl. Nach nicht einmal zwei Minuten stand es nicht nur 3:0, auch die Rollenverteilung zwischen Primus und Tabellenfünften klar – GSVE ist gleich Schlange, Friedberg das Kaninchen.

Dumm nur, dass man sich auch selber einen Knoten in die Beine basteln kann. Durch fünf völlig vermeidbare Fehler in Serie brachten sich die Recken um den Vorsprung und zwischenzeitlich aus dem Konzept. Mitte des ersten Satzes hätte wohl auch Präsident Jörg Holzweißig an der Krücke kein schlechteres Bild am Netz abgegeben. Erst verschätzte sich Tom Pietzonka, der einen Ball ins Feld tropfen ließ, dann rutschten Julius Fritsche zwei Bälle durch, der Schiri monierte zudem eine Netzberührung und Philipp Thielow drosch die Pille ins Aus.

„Wir müssen individuell besser werden“, sah Trainer Pietzonka als Konsequenz. Wurden sie infolge, sie nahmen die ersatzgeschwächten Friedberger auseinander. Das alles, nachdem der Coach dreimal gewechselt hatte. Fritsche, Thielow und Vanselow mussten von der Platte, Paul Lohrisch, Philipp Maaß und Felipe Pardini Glaser kamen. „Keiner war blind. Ich wollte jedem Spielanteile geben und die Genesenen langsam wieder heranführen“, erklärte Pietzonka das viele „switchen“. Schongang also. Und so verließen die Arrivierten nach komfortabler Führung wieder das Feld.

Im zweiten Durchgang hatten die Recken gar keine Probleme, machten konsequent den Block dicht. Beim 22:13 zogen sie allerdings erneut die Handbremse, so dass Friedberg noch zu einem „schmeichelhaftem“ 18:25 kam. Satz drei: Erst gen Ende zogen die Delitzscher an. „Julius bringt sich selbst aus dem Rhythmus, er muss die Emotionen oben halten“, forderte Pietzonka von seinem Schützling. „Wenn ich gewinnen will, kann ich nie zufrieden sein“, gab er seinem Team mit auf dem Weg.

All das unter den Argus- und Smartphone-Augen von L.E.-Trainer Christoph Rascher, der gemeinsam mit seinem Vereinspräsidenten Manfred Wiesinger illerte und nach der Partie artig seinem Ex-Coach Frank Pietzonka im Dunkel des Spielereingangs vor der Halle zum Sieg gratulierte.

An der Konstellation des Tableaus ändert sich für den GSVE nix: Erster bleibt Erster. Sechs Zähler vor dem VC Dresden. Neun vor den L.E. Volleys. Die müssen kommenden Sonnabend nachziehen. Da werden dann die Gymnasialen illern. Die Recken haben spielfrei.