Die Wege des Herrn...

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Junge, Junge, Junge. Das ging gerade nochmal gut. Auf der Felge bissen sich die Gymnasialen beim „Lobeda-den-Herrn-Spektakel“ über die Ziellinie. Einen Punkt mussten die Recken beim Fährmann löhnen, um über die Saale setzen zu können. Baden im Winter – das kommt nicht so gut. Im ersten Rückspiel der Saison verkaufte sich Jena daheim gegen den GSVE teuer, aber nicht im Sinne des Kapitalismus gewinnbringend. So siegten die Delitzscher Sonnabend im Tie-Break beim letzten Drittliga-Volleyball-Match des Jahres. 3:2 (20:25, 28:26, 22:25, 25:21, 15:11). Sieg zehn im elften Spiel, 29 Zähler auf der Habenseite. Weihnachtsgrüße nach Dresden und Leipzig.

Und einer hat das vorab schon geahnt, wurde ob seiner Bauchschmerzen belächelt. Frank Pietzonka hat den siebten Sinn. Sieht Dinge, bevor sie geschehen und wappnet sich dementsprechend. „Manchmal hat man sowas im Urin, im Bein oder im Kopf“, muss der GSVE-Trainer selbst schmunzeln, um aber gleich wieder auf die Schiene der Ernsthaftigkeit zurückzukehren. „Die Vorzeichen waren nicht gut“, fügt der 55-Jährige an. Fünf Spieler hievten sich mehr schlecht als recht in die Trikotage. Kleine und große Zipperlein. Oder mit auskurierten Infekten, aber ohne jedes Training.

Zu allem Übel hatte sich bereits im Abschlusstraining angedeutet, dass Libero Felix Winkler es wohl tags darauf nicht über die Ziellinie schaffen wird. Genau das geschah. Der Annahme-Spezi aus Bad Düben musste im dritten Satz vom Feld, der Oberschenkel machte dicht. „Ich konnte mich nicht mehr richtig bewegen“, beschreibt er.

Absicherung? Ein 16-jähriger Bub namens Tim Planer. Quasi ein Entenbrütchen im Reigen der gestandenen Herren. Und das auch noch in einer Partie, in der die Gymnasialen den Gegner nicht dominierten, auf eine sichere Annahme angewiesen waren. Gleich mehrere Gründe, den Zitteraal in der Halle zu mimen.

Planer junior hat es nicht so mit Fisch, schmiegte sich aber aalglatt ins Team ein. „Er hat alles richtig gemacht, stand gut und hat sich ordentlich bewegt“, resümiert Winkler die Premiere des Jugendspielers vom Lober. Seit vier Jahren spielt Tim erst Volleyball beim GSVE. Schnellbesohlung in der U16 von Benedikt Bauer und Felipe Pardini Glaser. Aber was für eine – nun steht der Schüler mit beiden gemeinsam auf der Platte. „Er hat super gespielt und dazu beigetragen, dass wir das Spiel noch gedreht haben. Einen
besseren Einstand hätten wir uns nicht vorstellen können“, beschreibt Kapitän Pardini Glaser. P.S.: Zum wertvollsten Spieler, neudeutsch MVP, wurde Tim Planer auch noch ausgezeichnet.

Ein Spiel, in das die Delitzscher schwer reinkamen. „Der Wille war da“, sagt Pardini Glaser, „aber auf eine nicht perfekte Annahme folgt ein nicht perfektes Zuspiel und so weiter ...“ So trampelten die Recken dem Aufsteiger hinterher. Der brachte Satz eins ungefährdet über die Bühne, obwohl der GSVE einen sechs- Punkte-Rückstand egalisiert hatte.

Weil das nicht das erste Mal in dieser Saison so war, ließen sich die Riesen auch nicht aus der Reserve locken, spielten geduldig weiter. Diese Stabilität destabilisierte die Jenaer. So wogte das Schiff hin und her. Jena, DZ, Jena, DZ, Paul Lohrisch für DZ und schwups war er da, der 3:2-Sieg. Ungewohnt: Ausschlaggebend für die finale Hatz. Gute Aufschläge. „Da kann ich nicht meckern. In den entscheidenden Situationen waren sie da“, zeigte sich Coach Pietzonka gnädig.

Und nun endlich Pause. Fortsetzung folgt. Vom Gipfel der Drittliga-Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen.

GSVE Delitzsch: Pardini Glaser, Fritsche, Karl, Thielow, Bauer, Maaß, Winkler, Vanselow, Klemm, Lohrisch, T. Pietzonka, Planer.

Er hat alles richtig gemacht, stand gut und hat sich
ordentlich bewegt.

Felix Winkler,
GSVE-Libero, über Tim Planer

Von: Alexander Bley

Quelle: Lvz