Mit viel Geruckel zurück in die Spur

geruckel

Wer heutzutage Zug fährt, falls dieser denn fährt, kennt dieses Gefühl gar nicht mehr. Der ICE brettert mit bis zu 300 Kilometer pro Stunde über die Schiene, der RE immerhin noch mit bis zu 160. Ein leises Gleiten ohne große Nebengeräusche. Früher, da klackerte es in regelmäßigen Abständen, wenn der Zug von A nach B seine Bahnen zog. Ganz ruckelfrei ging das nicht. Gleiches gilt für den GSVE-Express.

Der ist nach der bitteren 2:3-Pille gegen Leipzig zwar wieder in der Spur, aber ganz ohne Nebengeräusche verlief das Sonntagnachmittag nicht. Positiv: Überm Strich steht das nächste 3:0, mittlerweile das Siebte im zehnten Spiel. Gegen Taufkirchen dauerte es aber ein Weilchen, bis die Recken den neunten Drittliga-Sieg in den Delitzscher Bahnhof steuerten. Beim 25:19, 25:23, 32:30 begrüßten magere 116 Zuschauer die Einfahrenden am 2. Advent – trotz kleiner Annehmlichkeiten wie Nikolaus-Schokis für die Kids, ein kleines Piccolo-Flötchen für die Dame oder das eine oder andere Gehopfte für den Herrn.

Wieder 3:0, jetzt vier Punkte Vorsprung – Friede, Freude, Eierkuchen? „Man könnte meinen, aber damit dürfen wir nicht zufrieden sein“, sagte Julius Fritsche, „das war holprig.“ Mit diesem Fazit stand der Annahmespieler nicht alleine da. Ins gleiche Horn stieß Philipp Thielow, der wie Fritsche von Anfang an aufs Feld durfte: „Das muss einfach besser werden.“ Was war geschehen? Frühzeitig wach, grüßte später das Murmeltier. Typisch GSVE. Erst dem Gegner die geschwellte Brust zeigen, dann mehr und mehr buckeln. „Wir haben uns immer weniger gepusht und unsere Aufschlagquote war wieder unter aller Kanone“, erklärte Thielow. Fast durch die Bank weg segelten die Bälle von der Grundlinie ins Netz oder hinters Feld. „Sieben bis acht Punkte, für die Taufkirchen nichts tun musste“, meinte Thielow.

In diesen Kanon stimmten die Gäste aus Bayern mit ein. Worunter das Match auch litt. Spielfluss? Selten. Aber wenn, dann konnte sich das sehen lassen. In der Feldabwehr kratzten die Recken den einen oder anderen raus, ließen nicht locker und holten sich das Gros der Punkte nach langen Ballwechseln. Andererseits fielen einfache Bälle einfach rein.

Das brachte Trainer Frank Pietzonka auf die Palme. „Es passieren Fehler ganz einfach durch Nicht-Reden“, kommentierte der 55-Jährige:„Für mich ist nicht nachvollziehbar, wieso die Mannschaft nicht auf unsere Ansagen reagiert und so frevelhaft mit den Aufgaben umgeht.“

Im ersten Durchgang hatten die Recken das noch im Griff, zogen mit zwei Zwischenspurts von dannen und machten den Sack zu. Anders im zweiten Satz, da dauerte der Zwischenstopp zu lange. Fünf Punkte hinten, packte der Ehrgeiz nach einer Rochade des Trainers doch wieder zu. Paul Lohrisch und Philipp Maaß kamen – kurz vor Ultimo wurde das Ding eingetütet.

Aber selbst mit der Gewissheit zweier gewonnener Sätze und damit Oberwasser ging es nicht so, wie es die Sportfreunde Stiller besingen. Höchstens „fast wie von selbst“, konnten Volleybälle nach Aufschlägen aus dem Netz gefischt werden. Dennoch behielt der GSVE in engen Situationen kühlen Kopf und machte doch den Sack zu. Das abschließende 32:30 sprach dann doch für ein Bündel von Drahtseilen als von Nerven.

In Schutz genommen werden muss der Trupp in einem Punkt. 8 von 13 Spieler fehlten in der Woche krankheitsbedingt. Selbst den Coach hatte der Virus gepackt. Glück im Unglück: Taufkirchen reiste ebenfalls mit Schmalspurbesetzung an: „Dafür habe wir gut gekämpft“, resümierte Gäste-Kapitän Zied Chalghmi.

Noch einmal müssen die Recken in diesem Jahr ran: Am Sonnabend in Jena. Erst dann dürfen die müden Glieder hochgelegt werden. Bis dahin steht eines auf der Agenda ganz oben: Aufschläge üben, bis es zu den Ohren raushängt.

GSVE: Pardini-Glaser, Bauer, Karl, Thielow, Fritsche, T. Pietzonka, Winkler, Lohrisch, Vanselow, Klemm, Maaß

 

Von: Alexander Bley

Quelle: lvz