Menschen, Bälle, Emotionen

levolleys

21.27 Uhr erschüttert ein gefühlter 200-Dezibel-Schrei die Brüderstraße. Das Delitzscher Schwergewicht Benedikt Bauer schmettert den entscheidenden Ball am Leipziger Block vorbei – aber knapp ins Aus. Die L.E. Volleys machen nach einem mit etwas Glück abgewehrten Matchball den Punkt zum 16:14, holen sich den Tie-Break und damit den 3:2-Sieg (25:10, 25:27, 25:23, 14:25, 16:14) in einem mitreißenden Derby. In diesem war vor gut 800 Zuschauern in keinem Moment erkennbar, dass es sich nur noch um die dritte Liga handelt.

„Das war beste Werbung für den Volleyball in Leipzig“, diktierte ein fassungsloser Falk Köthen in den Reporterblock. Er hatte bei den beiden entscheidenden Ballwechseln mit viel Ruhe aufgeschlagen. Zweieinhalb Stunden vorher hatte nicht viel für das Team von Christoph Rascher gesprochen. Zu dominant hatten sich die Delitzscher bisher präsentiert und in acht Matches ganze drei Sätze abgegeben. Bei L.E. war dagegen nach dem gemeinsamen Abstieg mit den Gymnasialen zu Saisonbeginn Sand im Getriebe. So war die Frage nach dem Derbysieger vor der Partie eigentlich nur theoretischer Natur. „In der Delitzscher LVZ-Ausgabe standen ja neun Gründe, warum sie gewinnen werden“, frohlockte Köthen, „bei uns standen heute zwölf bessere Gründe auf dem Parkett.“

Seine Volleys kamen perfekt in die Partie und schnappten sich den ersten Satz überfallartig und mit zahlreichen Monster-Blöcken 25:10. Sie hätten sich unter der Woche hervorragend vorbereitet, meinte Rascher, was sich von Beginn an auszahlen sollte. Der zweite Durchgang wurde zur engen Kiste – die Gäste kamen zurück. Es ging hin und her, beide Trainer diskutierten einige Male mit den Unparteiischen – letztlich musste der Tie-Break entscheiden. Fast hätte der GSVE hier das bessere Händchen gehabt, beim Stand von 14:13 gab es Matchball für die Männer von Frank Pietzonka, den sie wegen eines Netzfehlers leichtfertig vergaben. „Wir haben nach dem verlorenen ersten Satz einen Rucksack mit uns rumgeschleppt, den wir nicht mehr ablegen konnten“, zürnte der Delitzscher Coach.

Als es Spitz auf Knopf stand, konnte L.E.-Präsident Manfred Wiesinger vor lauter Spannung kaum noch hingucken. Am Ende jubelte er ausgelassen und sagte: „Ich freue mich, dass wir die Halle auch stimmungsmäßig auf unserer Seite hatten. Das war nicht in allen Derbys so.“ Auch für seinen Coach waren die Fans der entscheidende Faktor. „Zu Hause sind wir eine Macht“, freute sich Rascher über den fünften Sieg im fünften Heimspiel: „Die Hütte voll, ein paar strittige Situationen, wir gewinnen – ein geiles Derby.“ Christian Dittmar, fs

Quelle: http://epaper.lvz.de

Von: Alexander Prautzsch