Das Vermächtnis der Jalousie

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Lang, lang ist es her, als sich die Bahnen von TSV Friedberg und GSVE kreuzten. Genauer gesagt sechs Jahre. Damals in der 2. Liga. Da lief es eigentlich fast immer gut für die Delitzscher Volleyball-Cracks – sowohl auswärts als auch daheim. Denn von den sechs Aufeinandertreffen zwischen 2009 und 2012 gewannen die Recken fünf. Duell Nummer sieben, diesmal in Liga drei, ruft aber etwas anderes in Erinnerung.

Coach Frank Pietzonka beschreibt es mit etwas Abstand wie folgt: „Die TSV-Halle hat eine Glasfront. Sobald Wind geht, fährt die Jalousie automatisch hoch. Als wir dort gespielt haben, war immer genau dann Wind, wenn wir die Seite gewechselt haben und ins gleißende Sonnenlicht blicken mussten.“ Knackpunkt: Der GSVE läuft an diesem Sonntagnachmittag 15 Uhr in Friedberg auf. Das gleiche Schicksal teilen sonst nur noch Dachau und Dresden. Jene Teams also, die an der Tabellenspitze verortet werden. Nur ein Schelm denkt da Böses … Weg vom Mutmaßen, hin zu den Fakten: Sonntag stehen sich in der Nähe Augsburgs die stärksten Teams der
3. Liga gegenüber. Friedberg ist Tabellenführer, mit sechs Siegen aus sieben Spielen. Der GSVE spaziert bisher unbefleckt durch die Saison. Vier Spiele, vier Siege.

Aufschlaggewitter versus Abgeklärtheit. Die Partie steht und fällt in der Annahme und eben mit der Jalousie. „Wichtig ist, dass alle Spieler – die auf und neben dem Feld – ihre Leistung abrufen und sich nicht von äußeren Dingen beeinflussen lassen“, sagt Delitzschs Coach, ohne ein einziges Mal den Sichtschutz zu erwähnen.

Auch wenn diese Erinnerung Spuren hinterlassen hat. Anno 2012, nach der einzigen Klatsche in Friedberg, setzten die Recken zum Husarenritt an. Der endete in Freiburg mit einem 3:0-Sieg. Neun Siege in Serie brachten dem GSVE die Zweitligameisterschaft und ein paar feuchtfröhliche Stunden auf Kneipentischen im Breisgau.

Tränen in den Augen hatte damals Reinhard Gasch, der förmlich alles herzen musste, was sich ihm in den Weg stellte. 2012 war der Höhepunkt des Leistungsvermögens beim GSVE erreicht – der perfekte Mix zwischen Routine und Jugendlichkeit.

Soweit hatte der GSVE-Urvater sein Baby, dass erst 1996 geschlüpft war, gebracht. Im vergangenen Jahr erwischte es Gasch gesundheitlich sehr hart. Seine Tätigkeit beim GSVE musste der Ex-Judoka-Floh aus Löbnitz ruhen lassen. Nach unzähligen Chemotherapien geht es dem einstigen Sportlehrer langsam besser.

Auf der Mitgliederversammlung des Vereins am vergangenen Freitag wurde Gasch zum Ehrenpräsidenten des Vereins ernannt. In den Vorstand wurde Co-Trainer Olaf Pohlmann gewählt, aus diesem schied Gasch aus. Präsident bleibt Jörg Holzweißig, dem Vorstand gehören Trainer Frank Pietzonka, Manager Günter Schweitzer und Jugendwart Sebastian Reichstein an. Gaschs Baby ist erwachsen geworden.

Von Emil Timm

Quelle: epaper.lvz.de

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