Spiel vier, die Zähler neun bis elf, Platz zwei

„Abgezockt.“ Das war das Erste, was Felipe Pardini Glaser zur ersten Drittliga-Partie seines GSVE in der Fremde gestern einfiel. Denn die Recken haben auf Station eins ihrer Volleyball-Tournee durch den Osten und Süden der Republik nichts, aber auch gar nicht, anbrennen lassen. Sieg Nummer vier im vierten Spiel - 3:0 gegen den ASV Dachau (27:25, 25:21, 25:14).

Mit diesen drei Zählern im Gepäck schrauben die Riesen vom Lober ihren Kontostand auf 11 Punkte nach oben. Das hebt die Nordsachsen auf Rang zwo des Tableaus. Anspruch und Wirklichkeit – der direkte Wiederaufstieg – nähern sich immer mehr an. Kongruenz dieser beiden Linien ist das Ziel. Zufriedenheit auf allen Ebenen? Nope. Den Krümel im Käse pulten Kapitän Pardini Glaser und Trainer Frank Pietzonka raus. „Jeder bietet sich im Angriff an, aber keiner, der die rausgeholten Bälle zuspielt“, sagte der Coach. El Capitan fügte an: „Die Sicherheit im Kopf kam erst Ende des ersten Satzes.“

Ja, dieses aus den Puschen kommen, das klebt dem GSVE dieser Saison an der Sohle wie ein oller Kaugummi. Aber wenn das Team die Rohre freigeblasen hat, dann geht’s nach vorn. Siehe Ende erster Satz, Ende zweiter Satz und die absolute Dominanz im finalen Abschnitt. Klingt alles irgendwie nach Turbodiesel. Nun ja, der hat bekanntermaßen derzeit ein schlechtes Image. Aber nach wie vor den besseren Wirkungsgrad. Sprich er holt mehr raus, als einfach nur den Tiger im Tank. Gerade auf langen Strecken. Sprich im dritten Satz. So gut wie alle langen Ballwechsel entschieden die Routiniers für sich. Felix Winkler hielt sogar die Rübe hin. Benedikt Bauer punktete aus dem Stand. Es gibt erbaulicheres, als solche Aktionen für eine junge Truppe, so wie es Dachau ist. Zwei Stationen und der GSVE war durch, zog erst auf 14:9 weg, dann auf 20:10. Normalerweise heben Trainer dann oft ihre Patschepfötchen, drehen die Zeigefinger umeinander und bringen die mit den Hufen scharrende zweite Garde. Pietzonka dieses Mal nicht. Sein Co-Trainer Olaf Pohlmann zog am Rockzipfel des Trainers und nahm die Händchen runter. „Quasi das Ding zu Ende spielen lassen, ohne den Kochtopf nochmal aufs Feuer zu schieben“, erklärte der Trainer. Der hatte die Ankündigung, wer aufs Feld darf, eins zu eins zu seiner Ansage umgesetzt. Es begannen die Routiniers Pardini Glaser, Robert Karl, Jens Ellmrich, Benedikt Bauer und Tom Pietzonka. Felix Winkler fungierte als 2000-Watt-Staubsauger. Gerahmt wurde Julius Fritsche. Beim 17:19 machte er für Paul Lohrisch Platz. „Das hatte nix mit seiner Leistung zu tun, aber das Spiel lief danach flüssiger“, beschrieb der Coach. Abgezockter eben.

Von Alexander Bley

Quelle: http://epaper.lvz.de