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Die Hoffnung lebt: GSVE Delitzsch besiegt Hammelburg 3:0

Entscheidung über Abstieg fällt am letzten Spieltag / Maune verabschiedet

Sie waren gut informiert, die Fans der Gymnasialen, die vor der Partie gegen Hammelburg zwischen Friedhofsmauer-Beton und Becker-Karton am Sonnabend bei Kippchen und Bierchen philosophierten. Und sie waren zahlreich erschienen. Im lauen Vorsommerlüftchen ging es beim Gros der 350 Gäste um die alles entscheidenden Fragen: Schafft es der GSVE Delitzsch, dem Schnitter nochmal über die Sense zu hüpfen? Und was muss in der Liga passieren, damit die Recken drin bleiben in der zweiten Volleyball-Bundesliga?

Der Sensenschwinger muss noch warten. Die Riesen vom Lober vertagen die Entscheidung. Prinzip Hoffnung regiert. Die Flamme lodert weiter. Auch wenn nach der Partie dem schwarzen Vogel in der Halle eine gewisse Schuld attestiert wurde. Vornweg: Die arme Amsel, die durch den Karton flatterte, konnte gar nix dafür. Die hatte sich verirrt, war vor dem Spiel beim Durchlüften vom Becker-Sog hineingezogen worden. Gefangen im Charme aus ollem Netz, Milchglas, Klinker, und verbeulten Deckenplatten flog die Amsel buchstäblich um ihr Leben.

Dieses Bild passte wiederum wie A... auf E... : Die Recken kämpfen ums Überleben in der Liga. Dabei behalten sie die Köpfe oben und geben einfach nicht auf. „Einmal triffst du auf einen supermotivierten Gegner, der jede noch so klitzekleine Chance nutzt“, zog Gästetrainer Tado Karlovic den Hut. „Die Jungs haben bewiesen, dass sie Moral haben“, fasste GSVE-Coach Frank Pietzonka das Erlebte zusammen. 3:0 – ein satter Sieg der seinen: 25:16, 25:22, 25:16. Noch Fragen?

Dennoch war die Stimmung nach dem Spiel nicht überschwänglich. Eher verhalten und gebremst. Das Wörtchen Abstieg wurde sogar in den Mund genommen – seitens der Fans. Der Grund lag auf der Hand: Karlsruhe klatscht Fellbach postwendend den Rückfahrschein auf den Popser, gewinnt 3:0 – zu 18, zu 21 und zu 14. Das war auch eindrucksvoll, auf den ersten Blick. Auf den zweiten nicht mehr ganz so. Einige Fans witterten da schon eine Verschwörung.

Diego Ronconi – der den SSC in die 2. Liga führte, formte davor Fellbach zu einer Spitzenmannschaft. Beide Vereine pflegen ein freundschaftliches Verhältnis – testeten einander. Fellbach reiste mit vier Spielern aus der 2. und 3. Mannschaft nach Karlsruhe. Verletzungssorgen.

Karlsruhe (36) hat weiter drei Punkte mehr auf dem Konto als die Delitzscher (33). Ein Spiel steht in der Liga noch aus. Am 21. April ist Finale.

Mitnichten ist alles vorbei. Der GSVE hat trotz schlechterer Satzbilanz und weniger Punkten einen Sieg mehr auf dem Konto als Karlsruhe. Bei Punktgleichheit, also wenn der SSC in Leipzig beim Absteiger L.E. Volleys verliert und der GSVE beim Meister in Grafing gewinnt, dann bleibt Delitzsch Zweitligist. „Wir fahren nicht nach Grafing, um dort auf der Meisterfeier vier oder fünf Bier zu trinken“, kündigte Pietzonka an.

Und mit dem Pensum, was sein Team gegen Hammelburg abspulte, ist was möglich. Keine Sekunde ließen Pardini Glaser & Co. einen Zweifel daran, worum es ging: Drei Punkte, nicht ein Sieg mit Hängen und Würgen. Delitzsch zog sukzessive davon. Uneinholbar. Nur im zweiten Durchgang gab es einen kurzen Hänger. „Wir hatten wenige Chancen und haben sie nicht genutzt“, beschrieb es der Trainer der Franken, der seinem Team im ersten Satz „Halbherzigkeit“ attestierte. Der TV/DJK egalisierte die Fünf-Punkte-Führung. Pietzonka zog die Reißleine, nahm den Junior vom Feld und brachte Lukas Maase. Der fügte sich prächtig ein, rettete einen Ball und die Hatz ging weiter. Im Block machte Delitzsch dicht. In der Feldabwehr wurden die Pillen vom Boden gekratzt. Mit einem Ass machte Robert Karl den Satz klar.

Dafür gab es Extra-Applaus von Hans-Jürgen Maune. Der Ex-Weltmeister und Olympia-Silbergewinner hatte hinter der Bank Platz genommen, auf der er elf Jahre lang neben Trainer Frank Pietzonka saß und die Delitzscher auf den Gegner einstellte. Maune ist nunmehr 70 Jahre und wurde feierlich in den Volleyball-Ruhestand verabschiedet. Mit zittriger Stimme von Freund und GSVE-Manager Günter Schweitzer. „Du hast als Volleyballer alles erreicht, was man erreichen kann“, zollte er ihm Respekt.

Jürgen Maune (r.) verabschiedet sich, links Manager und Freund Günter Schweitzer.

 

Jens „Emma“ Ellmrich schenkte Maune seine MVP-Medaille. Die war in Gold und damit auch klar, wer das Spiel über die Bühne zog. Im 3. Satz wurde Hammelburg fast vorgeführt. Der GSVE lebt. Freiheit für Kuba! Darauf stieß dann sogar Maune in der Kabine bei den Jungs an - mit Bacardi aus dem Eichenfass.

 

Quelle: LVZ - Regionalteil Delitzsch, 09.04.2018