GSVE zum Siegen verdammt

Volleyball-Zweitligist bestreitet morgen sein letztes Heimspiel gegen Hammelburg – und hofft noch auf den Klassenerhalt

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – was Hermann Hesse im Gedicht „Stufen“ lyrisch zu Papier brachte, hat auch bei Tado Karlovic Eindruck hinterlassen. Das Zitat sprach der Hammelburger Volleyball-Trainer nach den schwer erkämpften zwei Punkten im 3:2-Derbysieg gegen Eltmann. Die bedeuteten den Klassenerhalt. Um den kämpfen auch die Recken des GSVE – am Sonnabend (20 Uhr) im Artur-Becker-Tempel zu Delitzsch. Das letzte Heimspiel der Saison des Teams vom Lober soll nicht das letzte in Liga zwei sein.

Zurück zum Zitat, zurück zu Karlovic. Wieso sagte der 44-Jährige genau das? Schließlich war es nicht sein erstes Spiel als Coach der Hammelburger. 2015 führte der gebürtige Bosnier übrigens die Jungs von der Saale in die zweite Liga. Sein erster Derbysieg war der 3:2-Erfolg auch nicht. Der wurde vor zweieinhalb Jahren gefeiert. Vielleicht sprach er es, weil er einst in Eltmann wirkte. „Wenn ich darauf zurückblicke, kann ich sagen: Hermann Hesse hatte recht“, so Karlovic. Ganz sicher aber, weil Wehmut aufkam. Nach der Saison ist Ritze beim dreifachen Familienvater. „Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen“, hätte es Hesse begründet. Schritt für Schritt, Stufe für Stufe schreitet es voran, das Leben.

Wenn GSVE-Trainer Frank Pietzonka dem Ganzen etwas aus Hesses Portfolio entgegenhalten müsste, dann die Erzählung „Unterm Rad“. Denn im übertragenen Sinn sollen die Hammelburger in Delitzsch überrollt werden. Freilich nicht von ihm – sondern von seinem Team. „Die Jungs wollen noch einiges aufs Parkett bringen“, kündigt der Coach an. Offen gesprochen ist der GSVE zum Siegen verdammt. Vom Müssen will der 55-Jährige aber nicht reden: „Wir wollen das Optimale rausholen. Ich möchte eine emotionale und kämpferische Truppe sehen.“

Einen Motivationskick gab es für die Gymnasialen diese Woche gratis. Herrsching, die in der Bundesliga sportlich topp dastehen, hatten ihren Verbleib an eine Bedingung geknüpft. An ein noch tieferes Bekenntnis der Region für das Projekt Geilster Club der Welt (GCDW). Ergo an ein Aufmotzen des Etats. Stillstand ist der Tod. Nun ist die Kuh vom Eis, auch wenn keine 150 000 Euro zusammengekommen sind. 40 000 Dukaten wurden von Oberbayern offiziell bestätigt. Zwei neue Sponsoren werden ihr Scherflein noch dazugeben, bestehende den Hahn weiter aufdrehen. Würde das nicht geschehen, wäre beim GSVE Hopfen und Malz verloren. Jeder Kopf- und Handstand nur für die Galerie. Dann wären die Delitzscher bereits drittklassig.

„Das hat schon ein bissl im Kopf rumgespukt“, gibt Robert Karl zu, „jetzt ist die Motivation noch größer.“ Der Mittelblocker und sein Team hatten in Leipzig auf drei Punkte auf Karlsruhe und damit zum Nichtabstiegsplatz verkürzt. Die Karlsruher patzten daheim gegen Unterhaching, dem Unterbau und Vehikel des österreichischen Teams in der Bundesliga, den Alpen Volleys. Ein weiterer Ausrutscher der Karlsruher muss erfolgen. Vielleicht im Duell der Badener mit den Schwaben.

Weil das aber vom Lober keiner beeinflussen kann – außer mit milden Gaben an den Ex-Delitzscher Jan Jalowietzki im Dress der Fellbacher – gucken die Delitzscher auf sich. „Unser Spiel ist wichtig, unser Spiel ist heilig“, begründet Pietzonka. „Aus eigener Kraft das Spiel gestalten“, lautet das Ziel. Wer kostenlos beim Match am Sonnabend dabeisein möchte, schaut heute Abend ab zirka 19.30 Uhr bei Rewe vorbei. Nach dem Training verteilen die GSVE-Jungs dort Freikarten.

Im Bild: Nur der Sieg zählt am Sonnabend. Das wissen auch Robert Karl (Mitte), Benedikt Bauer (links) sowie Felix Winkler (rot) und Ilja Büschel.

 

Quelle: LVZ-Regionalteil Delitzsch, 06.04.2018