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Keine Termine

Schluderei und Ausreden gegen Mainz bringen Pietzonka in Fahrt

Der Spielverlauf des GSVE ist im Gesicht von Felix Winkler (hinten) ablesbar. Frank Pietzonka versucht mehr als einmal verbal, sein Team in die Spur zu bringen.

Eigentlich ist er ein ganz Guter – ruhig, ausgeglichen und fast immer zu Scherzen aufgelegt. Aber alle fünf Jahre verfinstert sich die gute Miene von Frank Pietzonka. Dann gibt es kein Halten mehr. So wie bei einem ausbrechenden Vulkan, dessen Lava alles plattwalzt. Am Sonnabend quoll der 53-Jährige über.

Eine Stunde nach dem Zweitligaspiel des GSVE gegen die TG Mainz-Gonsenheim vor etwa 250 Fans begann der Boden in der Beckerhalle zu beben. Da war sein Team gerade mit dem Abbau beschäftigt, Pietzonka hatte im stillen Kämmerlein unweit des Feldes Platz genommen. Dabei hätte das Netz an diesem Tag eigentlich zusammengerollt bleiben können. Denn gegen Mainz gab es bis auf den ersten Satz nichts für die Recken zu bestellen. Die Delitzscher Volleyballer verloren das Spiel 1:3 (25:21, 21:25, 18:25, 19:25), den dritten Platz und der Coach vor dem vierten Satz seine Contenance. Morgen gibt es den verbalen Einlauf.Vor dem Training nimmt Pietzonka sein Team auf Lunge.

Coach fordert mehr Disziplin

Mit folgender Brandrede: „Für mich ist das nicht nachvollziehbar, der Niveauunterschied von einem zum anderen Satz. Das hatte nichts mit Taktik und Fahrplan zu tun. Das ist Unvermögen und Disziplinlosigkeit. Bei einem Misserfolg hat jeder Ausreden. Dabei hatten wir Chancen. Mit denen sind wir fahrlässig umgegangen. Jeder muss sich fragen, ob er wirklich einhundert Prozent mit seinen Gedanken anwesend war“, polterte der Trainer los.

So ging die Fahrt weiter: „Vielleicht denken Einige, dass sie besser sind, als sie es wirklich sind. Diejenigen sollten im Training mal den eigenen Anspruch nach oben schrauben.“

Zurück zum Spiel: „Wenn du jemanden ermahnst, hat der immer eine Ausrede parat, warum das gerade nicht funktioniert hat. Das kann einfach nicht sein. Wenn wir einen Fahrplan haben, dann hat sich die Mannschaft verdammt noch mal dranzuhalten. Da kann nicht jeder für sich entscheiden, was das Richtige ist.“

Dass Pietzonka so lospoltert, hat folgenden Grund: Die Leistungskurve seines Teams zeigt im Februar nach unten. Die Jungs bleiben unter ihren Möglichkeiten, eben gerade weil sie nicht mehr aus einem Guss spielen, so wie noch in der Hinrunde.

Da zogen sich die Delitzscher trotz Fehlerserien am eigenen Schopfe aus der Misere. Das vermisste Zuspieler Felipe Pardini-Glaser schon im Spiel gegen Schwaig. Das bestätigte die schärfste GSVE-Waffe Robert Karl gegen Mainz. „Plötzlich kippt das Ding katastrophal, eine komische Stimmung“, beschrieb der Mittelblocker. „Wenn wir zwei Punkte hinten lagen, ist die Stimmung gekippt, sind wir in Splittergruppen zerfallen“, sagte der 26-Jährige.

Einen gehörigen Anteil daran hatte der Kontrahent, der bis dato noch nicht ein einziges Mal in Delitzsch Land gesehen hatte. Das Team von Aline Reinhardt hatte auf jede GSVE-Entscheidung eine Antwort. „Ab dem zweiten Satz war es verdient“, machte auch Pietzonka keinen Hehl daraus. „Sie haben einfach fehlerfrei gespielt, die harten Sprungaufschläge von Paul Lohrisch und Robert Karl nach vorn gebracht. Und dann fangen wir an zu schwimmen ...“ erhöhte Pietzonka wieder die Schlagzahl.

Allen voran stand bei den Mainzern der Annahmeriegel. Obwohl das bisher das Manko der TG in Delitzsch war, wegen der niedrigen Hallendecke. Deswegen gab es von Zuspieler Torben Tidick-Wagner auch folgende Ansage: „Irgendwie halbhoch ins Feld.“ Quasi eine Nullannahme.

Wo sind die Leitwölfe?

Die bekam auch Delitzschs Libero Felix Winkler hin, der im dritten Satz verschnaufen durfte – Paul Geisler ging auf die Platte. Nur änderte sich nichts. „Felix frisst den Misserfolg der Angreifer, schreibt sich deren Fehler zu. Dabei haben die die Pflicht und die Schuldigkeit das auszumerzen“, war Pietzonka schnell wieder auf Betriebstemperatur. „Jeder hat sich für jeden einzusetzen und zu schrubben. Wenn das nicht gelingt, dann machen wir keinen Schritt nach vorn“, legte er nach.

Dabei kann es mit der Motivation so einfach sein. Mainz, wie es singt und lacht in Form von Miss Reinhardt: „Vergangene Woche gegen Fellbach waren wir extrem schlecht, gegen Delitzsch sah die Bilanz auch nicht rosig aus. Der Lichtblick war das Hinspiel.“ Und daran hangelte sich der neue Tabellenvierte von Satz zu Satz kontinuierlich hoch. Vorbildlich.

„Wir erarbeiten uns Chancen, versemmeln die aber entweder, weil wir nur halbe Pulle spielen oder die Dinger mit Risiko ins Netz pfeffern“, arbeitete sich Pietzonka weiter am Team ab, „die Diskrepanz ist einfach zu hoch.“ Und abschließend: „Wir brauchen mal Spieler, die sich so entwickeln, dass sie das Heft des Handelns in solchen Phasen in die Hand nehmen.“ Dieser Satz wird den Jungs sicherlich am meisten weh tun.