Nachwuchszuspieler muss ins kalte Wasser springen

GSVE geht im Breisgau nach 0:2-Führung die Puste aus / Kapitän und Stammzuspieler René Berlet fehlt verletzungsbedingt

Die Konstellation, die viele Wochen beim GSVE vermieden werden konnte, ist eingetreten. René Berlet, Zuspieler und Kapitän des Volleyball-Zweitligisten vom Lober, musste am Doppelspielwochenende im tiefen Süden Deutschlands wegen seiner maladen Hand passen - Lukas Bayer, Steller des Sachsenklasse-Teams, durfte den Weg ins kalte Wasser antreten. Sein Einstand: eine 2:3-Niederlage (25:20, 25:18, 23:25, 25:27, 8:15) im Breisgau und ein 3:1-Sieg in Friedrichshafen (25:21, 27:29, 23:25, 22:25). 
Bei der Schmach im Breisgau hielten die Gymnasialen die Stulle lange in der Hand, ließen zweimal die Freiburger beißen, um festzustellen, dass plötzlich nur noch der schnöde Rand übrig war. Verständlich, dass GSVE-Trainer Frank Pietzonka am Telefon etwas angesäuert und enttäuscht klang. "Zum Schluss haben wir einfach nicht mehr durchgehalten", brachte es der Coach auf den Nenner.
Sein Team schaffte es nicht mehr, den Druck per Aufschlag aufrecht- und die Freiburger kleinzuhalten, wie in den ersten beiden Spielabschnitten. "Sie haben unglaublich gut aufgeschlagen", konstatierte Wolfgang Beck, Coach der selbst ernannten Freiburger Affenbande. Der Silberrücken brachte sich im dritten Satz selbst ins Spiel, wird wohl drei Kreuze gemacht haben, dass Robert Karl von der Linie hinten nicht noch ein, zwei Dinger mehr zünden ließ. Denn erst im dritten Satz sollten die Badener die Regie im Spiel übernehmen, respektive die erzwungene Umstellung im Delitzscher Spiel zu ihren Gunsten nutzen können. "Sieben Dinger hat uns Karl reingebrannt", sprach Beck.
Im vierten Satz hätten die Loberstädter den Sack zumachen können. Denn die Burda-Schungel-Könige wackelten, zitterten teilweise wie Espenlaub. Auf wenigen Metern nahmen die Recken ihren Kontrahenten die Punkte ab, zogen mit normalerweise beruhigenden sechs Punkten in Front. Im bekannten Delitzscher Ziehharmonika-Effekt schmolz und wuchs der mal, pegelte sich bei vier Punkten kurz vor Ultimo ein. "Das war unsere Chance", merkte Pietzonka an. Und die blieb ungenutzt an der Dreisam liegen. Becks Affenbande bekam die eigenen Zitterhändchen in den Griff, reduzierte die Fehlerzahl merklich und nutzte konsequent das Spiel über Zweitliga-Novize Lukas Bayer. Dem machte der Delitzscher Trainer keinen Vorwurf, verständlicherweise. "Das, was er gezeigt hat, war in Ordnung. An ihm lag es nicht", fasste der 51-Jährige zusammen. Schließlich hatte der Coach im Falle eines Einsatzes von seinem Team gefordert, dass der Rest der Truppe für den Jungspund zu spielen hat, um eventuelle Unzulänglichkeiten zu kompensieren. "Es ist normal, dass Lukas ein paar individuelle und taktische Fehler mehr macht", sagte Pietzonka. Denn immerhin spielt der 21-Jährige sonst vier Stufen tiefer, in der Sachsenklasse die Bälle zu. 
Mit dem Verlust des vierten Satzes ging ein Knacks in der GSVE-Moral einher. Bis auf 1:6 ließen sie im Tie-Break die Freiburger ziehen. Selbst der außer Gefecht gesetzte Kapitän René Berlet konnte sich daheim die Schmach im Live-Ticker nicht länger ansehen. "Ich hatte schon am Freitag ein schlechtes Gewissen", gestand der Stammzuspieler. Der hätte sich trotz Diagnose wieder durchgebissen, wenn er im Training am Freitag in der Feldabwehr nicht ein Ding auf die linke Hand verbraten bekommen hätte. Danach ging nichts mehr, zumindest halbwegs erträglich. "Es ist eine Kapselverletzung, in die Flüssigkeit reingelaufen ist und die Bänder sind etwas gedehnt. Nichts Schlimmes, aber schmerzhaft", fasste er zusammen, "Schade, die Jungs haben 2:0 geführt", ärgerte sich auch der hilflose Kapitän ein wenig. Alexander Bley