Der Ligareport

 

Die nimmer endende Tie-Break-Wut

Lediglich eine Woche Pause haben sich die Balldrescher der 2. Bundesliga gegönnt. Das Glück herauszufordern, scheint bei den Volleyball-Herrschaften der Südstaffel derzeit ganz groß in Mode. Denn am vergangenen Spieltag wurden sieben (!!!) der neun Partien mal wieder im Tie-Break entschieden.

Was sagt das über den Liga-Zirkus aus? Zum einen die wohl zitierfähigste und am weitesten verbreitete Aussage: "Das Leistungsniveau der Mannschaften ist so eng wie selten. Jeder kann jeden schlagen." Gesprochen beispielsweise vom GSVE-Trainerweisen Frank Pietzonka. Wobei die Person in diesem Fall problemlos ausgetauscht werden kann: Denn ob an Lober, Neckar, Rhein, Main, Isar, Dreisam, dem Boden-, Ammer- oder Starnberger See, das gute 3:2- oder böse 2:3-Schicksal ereilt (fast) jeden. Ausgenommen sind bisher lediglich die Rüsselsheimer. Die gewinnen oder verlieren, wie am vergangenen Wochenende, klar. Aalglatt, 0:3 unterlagen die Jungs von Louis Ferradas Stuttgart. Die Herrschinger dagegen fischen nicht im Trüben, gewinnen eindrucksvoll bei den Beck(s)-Jungs von der Dreisam 3:0. Mit der zweiten Niederlage rutschen die Freiburger auf den 5. Platz ab. Herrsching, frisch aufgestiegen, führt das Tableau an. Also, was sagt das enge Gekabbel noch so aus? Beispielsweise, dass die Teams gern mal das Fähnchen im Wind drehen, von Flaute bis Sturm alles drauf haben. Wie die Delitzscher gegen Grafing unter Beweis gestellt haben, die Partie am Ende gerade so 3:2 über die Bühne brachten. "Du kannst und willst eben auch keine Roboter machen", sagt Adrian Zoppelt, Trainer der Grafinger, "in solchen Momenten brauchst du Eier". Die bewiesen die Freiburger und Herrschinger in Friedrichshafen, die Mainzer in Fellbach, die Leipziger in Schwaig, aber auch die Durmersheimer, die einen 0:2-Rückstand vor eigenem Publikum gegen Dachau in einen Sieg umwandelten. Der Kempfenhausener Nachwuchs rang zudem Stuttgart in fünf Sätzen nieder. Ergo, zwar beweisen die Gewinner auf der Zielgeraden die "Eier" am rechten Fleck zu tragen, aber manchmal scheinen die abhanden zu kommen. Es bleibt das ewige Spiel. Das macht die Liga derzeit so spannend. Vor allem die Zuschauer ohne Herzschrittmacher sollte das freuen. Alexander Bley