Zehn Sätze für drei Punkte

GSVE-Rotation und Glaube an den Erfolg machen sich gegen VCO Kempfenhausen bezahlt, gegen Herrsching nicht

Delitzsch. Licht und Schatten liegen derzeit bei den Zweitligavolleyballern des GSVE sehr nah bei einander. Zehn Sätze haben sich die Recken in Bayern am Netz gequält, in Herrsching noch erfolglos, gegen Kempfenhausen dann endlich den Bock umgestoßen. Dabei wäre sogar noch mehr drin gewesen. "Am Ende fehlte die Durchschlagskraft", so lautete das Fazit des Trainers Frank Pietzonka nachdem er und seine Jungs in Herrsching fast zweieinhalb Stunden versucht hatten, den bärenstarken Aufsteiger in die Knie zu zwingen. Die Gymnasialen mussten sich erneut 2:3 (26:24, 16:25, 25:20, 21:25, 12:15) nach Sätzen geschlagen geben. "Wir haben im vierten Satz die Konzentration verloren und sind im fünften eingebrochen", bringt es Pietzonka kurz und knapp auf den Punkt.

Dabei hatten es seine Männer versäumt, sich für die eigentlich ganz gute Leistung selbst zu belohnen. "Wir hatten es auf der Kelle, haben es aber nicht durchgehalten", erklärt der GSVE-Trainer. Denn im spielentscheidenden Moment ließ bei den Delitzschern die Genauigkeit in der Annahme nach, so dass die Zuspiele auf die Angreifer ausrechenbar wurden. Die sich dann wiederum mit hohen Zwei- und Dreierblöcken konfrontiert sahen. "Aber bis dahin haben wir das Spiel ständig offen gestaltet", lobte der 50-Jährige seine Schäfchen, die auf dem Feld wie der Berserker schrubbten und vor allem in der Feldabwehr eine gute Figur machten. "Sie haben nicht aufgegeben", sagte Pietzonka, der aufgrund des Fehlens von Sebastian Kynast und Björn Metzger mächtig die Aufstellung durchwirbelte.
Mangels Alternativen hatte der Coach in der Woche schon seinen Sohn auf der Position des Mittelblockers trainieren lassen. Und dennoch überraschte Pietzonka. Denn anfangs ließ er die Delitzscher Angriffswuchtbrumme Sebastian Reichstein in der Mitte ran. Thomas Ahne durfte sich auf der ursprünglichen Angriffsposition der Volleyballikone vom Lober, austoben. Das schien ganz gut zu passen, denn den ersten Spielabschnitt sicherten sich die GSVE-Jungs mit 26:24. Dabei behielten sie einen kühlen Kopf, ließen sich auch nicht davon beirren, dass ihr Drei-Punkte-Vorsprung zwischenzeitlich von den Herrschingern egalisiert wurde. Umso unerklärlicher, aber mit gewisser Parallelität zu den bisherigen Partien, fielen die Recken im zweiten Satz leistungsmäßig ab, begannen mit einer Fehlerserie den Durchgang, der sich im Verlauf des Satzes bis auf zwölf Punkte summieren sollte, die die Riesen vom Ammersee in Front gingen. So gönnte Pietzonka Kapitän und Zuspieler René Berlet eine Auszeit, brachte Felipe Pardini-Glaser. Der Deutsch-Brasilianer, der sich in der Gegend bestens auskennt, weil das Volleyballinternat, an dem er ausgebildet wurde, gleich um die Ecke ist, bekam auch im 5. Satz die Chance, frischen Wind zu verbreiten. Letzten Endes ohne Erfolg. Pietzonka ließ im Spiel aber auch auf anderen Positionen rotieren, so kam Sohnemann Tom im dritten Satz auf die Platte und Reichstein wechselte auf die Diagonalangreiferposition. "Im vierten Satz habe ich Thomas Ahne für ihn gebracht, weil ich mehr Druck im Aufschlag wollte", erklärte Pietzonka, der auch Philipp Windmann im Angriff ranließ. "Als der vierte Satz zu Ende ging, hat sich die Unsicherheit bei allen breit gemacht", konstatierte Pietzonka. Das nutzten die Herrschinger, gespickt mit routinierten Ex-Erstliga-Spielern gnadenlos aus. Unter dem Druck der starken Aufschläge brach der Delitzscher Annahmeriegel in seine Einzelteile. Herrsching zog über 8:4 auf 14:6 im finalen Satz davon. Für die GSVE-Moral spricht, dass sie sich nochmals bis auf 12:14 herankämpften. Ein Strohfeuer, das der Trainer nicht überbewerten mochte. "Die Herrschinger haben in dieser Phase fünf Fehler gemacht." Dennoch: "Ich werde nicht alles in den Dreck reden. Sie haben gezeigt, dass sie es drauf haben. Daran müssen wir festhalten." Gestern sollte sich die Geduld des Coaches bezahlt machen. Gegen die Internatler aus Kempfenhausen ließ er weiter wild rotieren und Felipe Pardini die Fäden im Zuspiel ziehen. Mit 3:2 (25:14, 17:25, 22:25, 25:14, 15:3) erkämpfen sich die Riesen den zweiten Saisonsieg und klettern damit auf den 8. Tabellenplatz. Alexander Bley