Das Ding vergeigt

 

GSVE fällt auf der Ziellinie um und scheitert am ASV 2:3

Delitzsch. Fein hatten sie die Dachauer im Sack verstaut und in der Ecke abgestellt. Beim 23:18 im 4. Satz knallten schon die Korken, allerorts wurde in der Becker-Schachtel geprostet. Vergessen hatten die GSVE-Riesen dabei nur, den Sack zuzubinden. So entstiegen die Dachauer dem absolut unbeschwert, klopften den Herren vom Lober hinterrücks auf die Schulter, schnappten sich die Pullen und ließen die Hausherren trocken zurück. Der Volleyballzweitligist GSVE Delitzsch verschenkte in letzter Minute einen sicher geglaubten Sieg, verlor am Sonnabend vor 250 Zuschauern 2:3 (18:25, 25:18, 25:18, 23:25, 10:15).

Von Alexander Bley Dicke Backen, offene Münder, Hände vor dem Gesicht - nach gut zwei Stunden mussten die GSVE-Herren mit Erschrecken der bitterbösen Realität ins Gesicht blicken. Das war am Sonnabend eine hässliche Fratze, die da ihr Unwesen in der Beckerhalle trieb. "Das kotzt mich schon an, dass wir das Ding vergeigt haben", ätzte Trainer Frank Pietzonka nach dem langen Kampf seiner Spieler auf und seinem neben dem Feld. Machtlos, trotz zweier Interventionsversuche, musste er mit anschauen, wie seine Mannschaft im 4. Satz an der tonnenschweren Siegesbürde zerbrach. Denn die Dachauer, die waren eigentlich schon tot. "Und die leben länger", wusste ASV-Trainer Klaus Dammann, "machst du in dieser Phase nur einen Fehler, sieht die Sache wieder ganz anders aus." Während der Coach der Gäste den Erfolg realistisch in eine Schublade einzuordnen versuchte, alberten seine Spieler freudig in der Ecke. "Jetzt können sie eine Dicke Lippe riskieren", bremste Dammann ein, "trotzdem war der Sieg Balsam für die Seele." Weil die ASV-Männer vor der Partie auch mit dem Rücken zur Wand standen, vier von fünf Auftritten in der 2. Liga verloren hatte. Mit dem Kompass waren sie bisher vergeblich auf der Suche nach dem Standort. Wie beim GSVE, wobei am Sonnabend nach dem ersten Satz die Nadel den richtigen Weg zu weisen schien. Nach einem furiosen Start mit Thomas Ahne als Diagonalangreifer und Björn Metzger in der Mitte, drehte die das erste Mal durch. Pietzonka reagierte, kompromisslos, nahm Jungspund Ahne vom Feld und brachte das alte Eisen Sebastian Reichstein. Außerdem gönnte er dem Kapitän und Zuspieler René Berlet eine Auszeit. Felipe Pardini- Glaser bekam in dieser Spielzeit so seine erste Chance. Die nicht lange währte, denn ab dem 2. Satz stand alt bewährtes Personal auf dem Feld. Berlet kam mit den Altmeistern zurück ins Spiel und führte das Team gen Silberschweif am Horizont. Bis diese Tour ihr jähes Ende im 4. Spielabschnitt, wirklich kurz vor Ultimo finden sollte. "In einer Aufstellung verlieren wir sechs Punkte, die Annahme steht gut und unsere Außenangreifer fressen sich fest", beschrieb Pietzonka den Knackpunkt, "die Mannschaft hat im 2. und 3. Satz ein super Spiel gemacht, da fragst du dich schon, wen sollst du rausnehmen und wem schenkst du das Vertrauen." Dass sich die Häupter auf Delitzscher Seite mehr und mehr neigten, lag auch an Thomas Ranner, der die Angriffe im Block käscherte. "Für mich waren diese Drucksituationen in der 1. Liga alltäglich", begründete er seine Zuversicht, "wir haben uns die Chance erarbeitet und an uns geglaubt." Ratlosigkeit auf Seiten des GSVE. "Ich verstehe das nicht", suchte Libero Paul Geisler nach einer Erklärung. Eine Blockade, die das Spiel des GSVE spürbar lähmen sollte. "Da entsteht eine Angst nach einem Fehler, noch einen zu machen", versuchte es Berlet irgendwie in Worte zu fassen, vergeblich. GSVE Delitzsch: Andrä, Berlet, Geisler, Winkler, Reich-stein, Metzger, Karl, Kynast, Ahne, Pardini, Windmann