Der Lernprozess

GSVE-Trainer erhofft sich gegen Dachau mit neuer Taktik Motivationsschub

Delitzsch. Am Sonnabend können die Zweitliga-Riesen vom Lober, namentlich der GSVE Delitzsch, ihren Leipzig-Auftritt vor zwei Wochen vergessen machen. 20 Uhr beginnt die Mission Wiedergutmachung vor den eigenen Fans in der Artur- Becker-Halle. Zu Gast ist der zwölfköpfige Kader des ASV Dachau, der von einem Trainertrio angeleitete wird.

Von Alexander Bley Viele Köche verderben den Brei. Auf diesen Nenner könnte einen das bisherige Abschneiden des ASV bringen. Denn von den fünf Partien, die sie in der Südstaffel bestritten haben, konnten sie nur eine gewinnen. Drei Niederlagen innerhalb von vier Tagen, das geht wirklich an die Substanz, beziehungsweise ans Selbstvertrauen. Ergo weiß die Truppe gar nicht so richtig, wo sie steht. Diese Misere an den Trainern festzumachen ist bekanntlich zu einfach. Vielmehr ist es, wie in Delitzsch auch, dem Umbau der Mannschaft geschuldet. Gleich sieben neue Spieler müssen mit dem bestehenden Rumpf harmonisiert werden. Lief das in der Vorbereitung noch ganz gut, so schwingen die Dachauer derzeit außer Takt. Auch so eine Parallele zum GSVE Delitzsch. Die sangen allerdings nur einmal neben der Kirche, aber weil die auch noch vor der Haustür stand, hat jeder die schiefen Töne noch im Ohr. Trainer Frank Pietzonka wurmte das noch Tage danach. Einige Spieler, wie Sebastian Reichstein hatten das schnell abgehakt, quasi mit dem Schlusspfiff. Macht sich Gleichgültigkeit im GSVE-Kreis breit? "Nein", sagen René Berlet und Reichstein unisono. Das schnelle Abhaken ist mit dem deutlichen Spielverlauf erklärbar. "Die Kräfteverhältnisse waren klar", erklärt Pietzonka, und erinnert: "auch wir haben Leipzig schon mal 3:0 aus der Halle geschossen. Eineinhalb Jahre ist das her. Damit möchte der 50-Jährige nicht etwa die Augen vor der Tatsache der Niederlage verschließen, sondern nur etwas Distanz zur Begebenheit aufbauen. In den beiden zurückliegenden Wochen hat der Coach das Gespräch mit einigen Spielern gesucht. Maik Winkler und Berlet etwa oder Reich- stein und Robert Karl. "Diese Spieler haben eine gewisse Stellung im Team", erklärt Pietzonka, "ihre Meinung ist mir wichtig. Dabei ging es nicht um Schuldzuweisungen." Vielmehr wollte der Trainer wissen, ob seine Wahrnehmung der Dinge noch mit der seiner Spieler einhergeht. Und es ging um die Herangehensweise an Dinge, wie etwa die Motivation vor und nach dem Spiel erarbeitet wird. Es sind schon tiefgreifende Gedanken, die sich Pietzonka gemacht hat. "Ich nehme mich da nicht raus, bin da vielleicht noch extremer, weil ich letztendlich verantwortlich für die Leistung der Mannschaft bin", geißelt sich der Coach. Der eines definitiv geändert hat: Es gibt im Freitagstraining keine Ansage mehr, wer im Punktspiel auf die Platte darf. "Ich gebe die Aufstellung kurz vorher bekannt, muss auch lernen, wie die Spieler darauf reagieren", begründet Pietzonka. "Auch ich als Trainer muss neue Anreize setzen, auch wenn ich schon 15 Jahre im Amt bin." Seine Prämisse der Saison bleibt: "Ich werde immer wieder andere Aufstellungen ins Spiel schicken."