„Willste in der Erde buddeln und nach Geld graben?“

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2. Volleyball-Bundesliga: Die Corona-Krise wird auch für den GSVE Delitzsch immer mehr zum Problem

Von Christian Dittmar
Delitzsch. Aktuell unterstützen die Volleyballer des GSVE Delitzsch den Zweitliga-Konkurrenten VC Gotha bei seiner Geisterticket-Aktion. Die Thüringer, offenbar bereits in größeren finanziellen Zwängen, wollen Geld sammeln, indem sie insgesamt 1000 virtuelle Eintrittskarten für das Duell „Blue Volleys vs. Covid-19“ verkaufen – und die Gymnasialen Benedikt Bauer und Julius Fritsche teilten die Aktion bei Facebook.
Die Hilfe für die Gothaer liegt in persönlichen Verbindungen zwischen Lober- und Residenzstädtern begründet und auch für den GSVE kündigt Bauer eine ähnliche Hilfsaktion an. „Es geht dabei um etwas, was in Sachsen fast nicht lieferbar ist“, erklärt der Außenangreifer etwas nebulös. Da das Ganze noch nicht spruchreif sei, will er nicht ins Detail gehen.
Fakt ist, dass je länger die Corona-Krise andauert, die Situation auch für die Delitzscher immer schwieriger wird. Die Saison wurde längst vorzeitig beendet, die Artur-Becker-Halle bleibt auf unbestimmte Zeit gesperrt und auch die GSVE-Sponsoren leiden. Ab dem 4. Mai sollen laut Trainer Frank Pietzonka Vertragsgespräche für die kommende Spielzeit geführt werden. Ob Bauer und Co. dann Abstriche bei ihren Aufwandsentschädigungen hinnehmen müssen, wollte Pietzonka nicht beantworten.
Allerdings gibt „Spitz“ zu, dass auch die Gymnasialen angesichts der Situation nicht auf Rosen gebettet sind. Mit „Willste in der Erde buddeln und nach Geld graben?“, kommentiert der Coach die Situation gewohnt prägnant. Aber man versuche sich so gut es geht um die Sponsoren zu kümmern.
Letztlich sieht Pietzonka auch die Gefahr, dass die Probleme der Bundesliga auch auf die 2. Ligen überschwappen könnten. Im Oberhaus zogen in den vergangenen Wochen mit Eltmann, Rottenburg und Unterhaching gleich drei Vereine aus verschiedenen Gründen zurück – weitere Abstiege aus wirtschaftlichen Gründen nicht ausgeschlossen.
Liga-Chef Klaus-Peter Jung hat bereits in einem Sportbuzzer-Interview erklärt, dass die hohen Anforderungen für die Bundesliga krisenbedingt reduziert werden könnten.
Für Frank Pietzonka ist eine mögliche Rückkehr in die 1. Liga aber auch bei geringeren Etatforderungen kein Thema: „So lange ich hier Trainer bin, wird es das nicht geben.“ Dafür seien die Bedingungen in Nordsachsen einfach nicht gegeben.
Ähnlich sieht es sein Kapitän. „Der Zug ist abgefahren“, sagt Felipe Pardini Glaser zu möglichen Bundesliga-Träumen. Früher wollte der Deutsch-Brasilianer mal Volleyball-Profi werden, aber findet es nach eigenen Angaben mittlerweile auch schön, in der 2. Liga Studium und Volleyball verbinden zu können. „Wenn ich an meine bisherige Karriere denke, überwiegt am Ende auch ohne Bundesligaspiele die Freude“, resümiert Pardini Glaser.

Im Bild: Klare Worte: GSVE-Trainer Frank Pietzonka nimmt vielleicht einen Mundschutz, aber kein Blatt vor den Mund.Foto: Alexander Prautzsch

LVZ Leipziger Volkszeitung, 28.04.2020