Zwischen Angriffsschlag und Arithmetik

84587104 2607250492707681 5617251910982565888 nMathe-Lehrer und GSVE-Leistungsträger Robert Karl ist vor dem Duell gegen Grafing wieder topfit


Von Christian Dittmar
Delitzsch. Bei langen Auswärtsfahrten ist die letzte Reihe im Reisebus für ihn reserviert. „Da kann ich mich schön ausbreiten“, erzählt Robert Karl, „und in Ruhe Klassenarbeiten korrigieren.“ Denn der 29-Jährige führt ein Doppelleben: einerseits Mittelblocker und Leistungsträger beim GSVE Delitzsch in der 2. Volleyball-Bundesliga, andererseits Lehrer für Mathematik und Informatik am Wilhelm-Ostwald-Gymnasium in Leipzig-Lößnig.

Ein Doppelleben, das naturgemäß ganz schön schlaucht, aber der 1,98-Meter-Mann hat eine Erklärung dafür, wie er alles unter einen Hut bekommt: „Ich mache beide Sachen mit viel Herzblut.“ Zudem ließe sich der Lehrerjob zeitlich ganz gut mit dem Training und den Spielen beim GSVE in Einklang bringen.

So war es für „Karli“ vor Jahren auch keine schwierige Entscheidung, statt eine große Volleyball-Karriere anzustreben ein Lehramtsstudium anzufangen, schließlich als Lehrer zu arbeiten und „nur“ nebenbei in der 2. Bundesliga am Lober die Bälle zu blocken und zu versenken – auch wenn ihm viele Experten die 1. Bundesliga zutrauen würden. Dementsprechend unterfordert war er auch im Vorjahr in der 3. Liga, wie GSVE-Kapitän Felipe Pardini Glaser erklärt: „Die gegnerischen Angreifer waren einfach zu langsam für ‚Karli’.“

Nach der Rückkehr in die zweite Liga im vergangenen Sommer avancierte Robert Karl dort wieder zum uneingeschränkten Stammspieler und häufigsten MVP (Spieler des Spiels) der Gymnasialen.
Besonders im prestigeträchtigen Derby bei den L.E. Volleys e.V. Mitte Dezember lief er zu großer Form auf, gegen seinen alten Verein gelang dem langjährigen Gymnasialen so gut wie alles. So bescheinigte auch Volleys-Coach Christoph Rascher damals, dass sich seine Jungs vor allem an Karl die Zähne ausgebissen hatten. Sein eigener Trainer weiß ebenfalls um die Stärken des Haupt-Mittelblockers: „’Karli’ hat über Jahre hinweg gezeigt, dass er seinesgleichen sucht in der 2. Bundesliga“, sagt Frank Pietzonka.

Doch nach dem Jahreswechsel kam ein kleines Loch – für die Delitzscher und den früheren Spieler des VC Dresden e.V. Je zwei 0:3-Pleiten in Mimmenhausen und Karlsruhe, dazwischen ein 3:2 mit Ach und Krach gegen Mainz. Dazu wurde auch Robert Karl nicht mehr zum wertvollsten Spieler seines Teams gewählt. Der Grund: Erst musste er sich mit einer Grippe rumschlagen, dann mit einer Nasennebenhöhlenentzündung. So konnte er unter der Woche nicht trainieren und schleppte sich am Wochenende zu den Spielen. „Ich bin trotzdem froh, dass ‚Karli’ da die Arschbacken für uns zusammengekniffen hat“, meint Pietzonka.

Jetzt sei der wieder zu 100 Prozent fit und bereit für die Partie am heutigen Sonnabend (20 Uhr) gegen den TSV Grafing. „Das wird ein ähnlich schweres Spiel wie in Karlsruhe“, weiß Karl. Mit einem Unterschied: Die Gymnasialen schlagen in ihrer heimischen Artur-Becker-Schachtel auf. „Mit unseren Fans im Rücken können wir noch ein paar Prozente drauflegen“, sagt der gebürtige Dresdner.

Ein Dreier gegen die Bayern wäre ein weiterer großer Schritt in Richtung Klassenerhalt. Dann wollen Karl und die anderen Gymnasialen schauen, ob sie noch ein bisschen in der Tabelle klettern können. An ein Karriereende denkt er dabei noch lange nicht, auch wenn er im April 30 wird. „Ich hatte zum Glück bisher keine größeren Verletzungen und kann noch ein paar Jahre spielen“, sagt Karl. Und das auf jeden Fall beim Gymnasialen Sportverein Ehrenberg. „Hier fühle ich mich pudelwohl.“

Im Bild: Gegen ihn braucht es schon eine halbe Mannschaft am Netz: GSVE-Mittelblocker Robert Karl.Foto: Alexander Bley