„Derbysieger! Derbysieger!“

79871973 2509136929185705 2960142892636569600 o

2. Volleyball-Bundesliga: GSVE Delitzsch gewinnt spannenden Kampf vor toller Kulisse bei den L.E. Volleys mit 3:2

VON THOMAS FRITZ
Leipzig. Die Bässe der Musikanlage wummerten, die Delitzscher Schlachtenbummler machten sich mit Trommelschlägen und Anfeuerungsrufen heiß, der Hallensprecher animierte die Heimfans zum Lauterwerden. Schon vor dem ersten Aufschlag in der Sporthalle Brüderstraße war klar, dass am letzten Spieltag der 2. Volleyball-Bundesliga Süd vor den Feiertagen ein besonderes Spiel im Kalender stand. Es war Derby-Zeit! 727 Fans sahen ein bis zur letzten Minute spannendes Match zwischen dem L.E. Volleys e.V. und dem GSVE Delitzsch, das die Gäste im Tiebreak mit 3:2 (19:25, 25:19, 25:21, 23:25, 15:12) für sich entschieden.

Nachdem Mittelblocker Robert Karl nach 136 Minuten Spielzeit den letzten Ball auf das Parkett geschmettert hatte, bildete das ganze Team einen Kreis, hüpfte auf und ab und sang euphorisch „Derbysieger! Derbysieger!“. Mit „einfach nur geil“, beschrieb Mittelblocker Philipp Maaß seine Gefühlslage: „So ein Sieg in Leipzig vor dieser tollen Kulisse ist nicht in Worte zu fassen.“

Wenige Meter daneben leerte Kapitän Felipe Pardini Glaser mit glücklichen Fans einen Flachmann, während viele seiner Kollegen schon am ersten Bierchen nuckelten. Derby-Siege machen durstig. Mit den zwei gewonnenen Zählern hat Delitzsch als Tabellensiebter weiter ein dickes Polster auf die Abstiegsränge.

Der Start ins Duell der Aufsteiger verlief für die GSVE-Riesen holprig. Gleich der erste Aufschlag landete im Aus, neun Fehler bei der Angabe allein im ersten Satz waren zu viel. „Da waren die Jungs zu verbissen, sie wollten zu viel, keiner hat gelächelt“, so Coach Frank Pietzonka.

Die Volleys nahmen die Geschenke dankbar an und holten mit 25:19 den ersten Satz. Nach der Pause gingen die Gymnasialen wie ausgewechselt aufs Parkett. Pietzonka gab die Weisung aus, unbedingt aggressiv zu bleiben, notfalls auch auf Kosten weiterer Fehler. „Wir wollen schließlich keinen Häschen-Volleyball spielen“, sagte er. Vor allem Robert Karl, der zum siebten Mal zum MVP (wertvollster Spieler) seines Teams gewählt wurde, zeigte beim Block und mit seinen harten Angriffsschlägen Präsenz. Capitano Pardini Glaser legte ihm die Bälle perfekt auf. Nach der 16:8-Gästeführung konnten die Volleys noch mal auf drei Zähler verkürzen, doch offenbarten sie nun immer wieder Probleme bei der Angabe. Satz zwei ging an den GSVE. „28 Aufschlagfehler sind zuviel, das war der Knackpunkt“, sagte Volleys-Trainer Christoph Rascher nach Spielschluss.

Auch den dritten Durchgang sicherten sich die Pietzonka-Männer, im vierten Satz sahen sie kurz vor Schluss schon wie der Derby-Sieger aus, aber einige strittige Schiedsrichter-Entscheidungen, eigene Fehler und clevere Leipziger verhinderten die perfekte Drei-Punkte-Ausbeute. „Da waren wir zu blöd, das Ding zuzumachen“, ärgerte sich Pietzonka.

Also musste der Tiebreak her. Und hier drehte Philipp Maaß groß auf. Der 2,01-Meter-Mann blockte, was es zu blocken gab und streute den einen oder anderen beeindruckenden Schmetterschlag ein. Die gut 200 GSVE-Fans sorgten endgültig für Heimspiel-Atmosphäre, die Begeisterung übertrug sich auf das Team. „Ohne Emotionen gewinnst du so ein Ding nicht“, sagte Maaß nach dem 15:12 im Schlussabschnitt.

Die Fans feierten ihre Derby-Helden begeistert, die Party konnte beginnen. Nur Frank Pietzonka wollte sich von der Euphorie nicht so recht anstecken lassen. „Ich feiere nicht. Ich bin nicht so ein Verrückter“, sagte der Coach. „Ich fahre nach Hause und lege mich schlafen.“ Vielleicht hat er ja schon vom nächsten Derby-Sieg geträumt...

Im Bild: Das GSVE-Team feiert gemeinsam mit seinen Fans in der Sporthalle Brüderstraße den Erfolg beim Rivalen in Leipzig. Foto: Christian Modla

LVZ Leipziger Volkszeitung, 16.12.2019