Der letzte Jubelschrei des Jahres – im Derby?

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2. Volleyball-Bundesliga Süd: Der GSVE Delitzsch reist zum ewig jungen Klassiker nach Leipzig und weist die Favoritenrolle weit von sich


VON THOMAS FRITZ
Delitzsch. Für Fans, Spieler und Verantwortliche ist es das Match des Jahres, aber Frank Pietzonka, Coach von Volleyball-Zweitligist GSVE Delitzsch, versucht vor der morgigen Partie bei den L.E. Volleys (19 Uhr, Sporthalle Brüderstraße) tief zu stapeln. „Ich warne immer davor zu überdrehen“, sagt der frühere DDR-Nationalspieler vor dem ersten Derby der Saison gelassen. „Unterm Strich ist das ein Spiel wie jedes andere. Wichtig ist, dass du die Leistung abrufen kannst. Dir nutzt die Vorfreude gar nichts, wenn du 3:0 den Arsch voll kriegst.“

Dass es zu einer solchen Pleite kommt, ist freilich eher unwahrscheinlich. Sogar Volleys-Kapitän Falk Köthen glaubt nicht an ein 3:0, wäre mit einem 3:2-Sieg und zwei Punkten zufrieden. Die Gymnasialen ihrerseits fahren mit reichlich Selbstvertrauen und als leichter Favorit in die Messestadt. Zuletzt vier Siege aus sechs Partien, ein Elf-Punkte-Polster auf die Abstiegsränge und die deutlich bessere Punkt- und Satzbilanz im Vergleich zu den Leipzigern untermauern das.

Pietzonka gibt auf solche Zahlenspiele freilich nicht so viel. „Es gibt keinen Favoriten“, sagt er vor dem Aufeinandertreffen der Aufsteiger gewohnt nüchtern. „Da entscheidet die Tagesform, da können natürlich auch einzelne Spieler entscheidend sein, die besonders gut drauf sind.“ Zuletzt war das besonders häufig Mittelblocker Robert Karl, der in dieser Saison schon mehrfach die Auszeichnung als wertvollster Spieler (MVP) einheimste.

Den Unterschied könnten in einem engen Match aber auch die Fans ausmachen. Beim knappen Heimsieg der Volleys vergangene Saison quetschten sich fast 800 Zuschauer in die Halle. Die Stimmung war überragend, für solche Matches leben Sportler. Am Ende siegten die Gastgeber im Tiebreak mit 16:14. Beide Teams stiegen später wieder in die zweite Liga auf.

Bis zu 100 Delitzscher Schlachtenbummler werden morgen in der Brüderstraße erwartet, sie wollen mit ihren roten T-Shirts einen starken Gäste-Block bilden und ihre Jungs frenetisch nach vorne peitschen. „Das ist schon optisch eine geile Sache“, sagt Frank Pietzonka. „Es ist immer schön, vor einer vollen Halle zu spielen. Das ist eine ganz andere Atmosphäre, als wenn du vor 50 Zuschauern stehst. Das ist für meine Spieler kurz vor Weihnachten ein Höhepunkt.“

So sieht es auch GSVE-Kapitän Felipe Pardini Glaser. „Ich hoffe, dass es wie ein Heimspiel wird“, sagt er voller Vorfreude. Der
26-Jährige rechnet damit, dass vor allem jene Fans nach Leipzig fahren, die besonders viel Stimmung machen und freut sich auch auf viele junge Gesichter aus den Delitzscher Nachwuchsteams in der roten Wand. „Es ist toll, dass sie auch mal ein Derby vor so einer Kulisse miterleben“, meint der Kapitän und Zuspieler.

Die Generalprobe glückte übrigens beiden Mannschaften. Die GSVE-Riesen bezwangen vergangenes Wochenende den SV Schwaig überraschend mit 3:1, während sich das Team von Trainer Christoph Rascher gegen den TSV Grafing am Ende regelrecht in einen Rausch spielte und die Bayern mit einem 3:2-Sieg vom ersten Platz stürzte.

Es ist angerichtet, nun müssen die Spieler nur noch ein leckeres Derby-Menü servieren.

Im Bild: Thomas Ahne (rechts) und Robert Karl wollen auch in Leipzig gemeinsam jubeln. Foto: Alexander Prautzsch

LVZ Leipziger Volkszeitung, 13.12.2019