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Delitzsch-Coach Bauer über seine Zukunft als GSVE-Trainer: "Die Entscheidung steht"


Benedikt Bauer ist seit einem halben Jahr Trainer des GSVE Delitzsch und kann mit der Hinrunde seiner Mannschaft durchaus zufrieden sein. Im SPORTBUZZER-Interview blickt der 27-Jährige auf die bisherige Saison zurück, äußert sich zum Trainerposten und spricht über den Fahrplan für die nächsten Wochen.

Delitzsch. Benedikt Bauer hat als neuer Trainer der Zweitliga-Mannschaft des GSVE Delitzsch eine überaus positive Hinrunde erlebt. Aktuell stehen die Gymnasialen auf Tabellenrang sieben, haben das wichtige Derby gegen die L.E. Volleys gewonnen und dazu weitere überraschende Erfolge eingefahren. Im großen SPORTBUZZER-Jahresinterview spricht der 27-Jährige über das Kartenspielen mit den Jungs, seine Masterarbeit und worüber er sich 2022 am meisten freut.

 

SPORTBUZZER: Wie lautet Ihr generelles Hinrundenfazit?

Benedikt Bauer: Wir können mit unserer Platzierung in der Tabelle sehr zufrieden sein. Damit hatten wir alle nicht gerechnet. Das ist eine gute Belohnung für die harte Arbeit von allen Beteiligten in den vergangenen Monaten. Und Rang sieben verlockt natürlich auch ein bisschen, im kommenden Jahr weiter nach oben zu schauen.

 

Für Sie persönlich war es auch ein besonderes halbes Jahr in der neuen Funktion als Cheftrainer der Bundesliga-Mannschaft. War es so, wie Sie es sich vorgestellt hatten?

Ich spiele ja schon seit einigen Jahren Volleyball und habe dabei sehr viele Trainer erlebt. Dazu kommt das Jugendtraining, das ich seit neun Jahren leite. Von daher war es nicht komplett neu, aber es ist eine sehr schwierige Position: Man möchte das Ganze möglichst professionell aufziehen, mit einem breiten Trainerteam. Und dann kommt die Realität, mit dem eigenen Studium, was auch sehr viel Zeit frisst. Vor allem wegen der Masterarbeit, an der ich aktuell schreibe. Deswegen konnte ich nicht alles so umsetzen, wie ich es mir vorgestellt hatte.

 

Dazu kommt bei Ihnen die spezielle Situation, dass Sie bis zum Sommer noch mit den meisten Spielern auf dem Feld standen und zum Teil jünger als diese sind. Hat das auch mal zu kleinen Reibereien geführt?

Reibereien gab es nie. Aber natürlich hatten wir auch mal Situationen, bei denen wir einen Mittelweg finden mussten – dadurch bedingt, dass wir alle keine Profis sind. Mir wäre es am liebsten, wenn jeder Spieler dreimal die Woche trainieren könnte. Dass das nicht realistisch ist, konnte ich mir schon vorher denken. Aber meine Beziehungen zu den Spielern haben sich dadurch nicht geändert. Und auch bei meinen Ansagen gab es nie Probleme. Bei den Auswärtsfahrten habe ich zudem weiter mit den Jungs Karten gespielt und wollte auch bei den Übernachtungen kein Einzelzimmer.

 

Was waren in dieser Zeit die Höhepunkte für Sie?

Rein sportlich war es definitiv der Sieg gegen Karlsruhe. Wir sind bis jetzt immer noch die einzige Mannschaft, die in dieser Saison gegen Karlsruhe gewinnen konnte. Da haben uns zwar einige Umstände geholfen, wie dass der Gegner nicht ganz fit war und am Vortag noch ein Spiel hatte. Wir haben es aber auch gut ausgenutzt. Daneben freut es mich, dass die jungen Spieler so viel Einsatzzeit bekommen haben. Pierre Clauss und Karl Erik Pönitzsch haben sehr stabil auf Zweitliga-Niveau gespielt, aber auch die Jungs, die zwischendurch aus der Zweiten hochgezogen worden. Ein Andreas Polz hat direkt im ersten Einsatz ein bombastisches Spiel gemacht, dazu haben Niklas Bechtloff oder Louis Wilke ebenfalls überzeugt, wenn wir sie gebraucht haben. Da können wir aus dem Vollen schöpfen.

 

Und was ist nicht so gut gelaufen?

Wir hatten auch immer wieder Spiele dabei, wo wir unser Niveau nicht abrufen konnten. Gotha ist ein gutes Beispiel dafür, aber auch Mühldorf oder Freiburg. Das waren Spiele, die wir hätten gewinnen können, aber sehr deutlich verloren haben. Dafür haben wir jetzt noch die Rückrunde, in der wir uns revanchieren können.

 

Sind diese möglichen Revanchen auch das, worauf Sie sich im kommenden Jahr am meisten freuen?

Ja, denn im Sport willst du immer gewinnen. Aber es gibt etwas, über das ich mich noch mehr freuen würde: Wenn wir wieder Zuschauer zulassen dürfen. Wenigstens das letzte Heimspiel nochmal vor Publikum wäre eine tolle Sache. Und sei es mit 2G und einer zahlenmäßigen Beschränkung. Gerade erst in Hammelburg haben wir wieder erlebt, welch einen riesigen Unterschied die Zuschauer für die Stimmung machen.

 

Wie ist der GSVE-Plan für die nächsten Wochen?

Wir hatten am vorvergangenen Dienstag noch ein Abschlusstraining mit kleinem Mannschaftsabend und haben uns dann gegenseitig in die Feiertage verabschiedet. Bis zum neuen Jahr werden wir nichts mehr machen, dann kommen ab dem 4. Januar knapp zwei Wochen, in denen wir uns auf die Rückrunde vorbereiten. Und am 16. Januar starten wir gegen Mühldorf in den Rest der Rückrunde.

 

Kapitän Felipe Pardini Glaser wird dann noch nicht wieder dabei sein, weil er eine längere Reise in seine Heimat Brasilien unternimmt. Schon ein herber Verlust, oder?

Natürlich, zum einen verliere ich einen wichtigen Zuspieler, zum anderen meinen Kapitän. Wir hatten schon im August über das Thema gesprochen. Ich bin zwar kein Freund davon, aber man muss auch verstehen, dass Felipe seit zweieinhalb Jahren nicht mehr in Brasilien war und man da auch nicht nur für zwei Wochen hinreist. Und ich habe großes Vertrauen in meinen zweiten Zuspieler Hannes Schindler, dazu steht auch noch Niklas Bechtloff auf der Position bereit.

 

Die wichtigste Frage zum Schluss: Haben Sie sich schon entschieden, ob Sie über den kommenden Sommer hinaus als Chefcoach weitermachen wollen?

Ja, die Entscheidung steht. Leider konnten wir noch kein offizielles Gespräch mit dem Verein führen, weshalb wir das noch nicht verkünden wollen.

 

Können Sie vielleicht dennoch einen kleinen Wink geben, in welche Richtung die Entscheidung gehen wird?

Mit den jungen Spielern haben wir eine gute Zukunft. Ich denke, das sollte reichen (lacht).

 

 

Im Bild: GSVE-Coach Benedikt Bauer gibt seiner Mannschaft während des Spiels Anweisungen. ©Christian Modla

 

Quelle: LVZ, 30.12.2021