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Diesmal Schongang für die Stimmen


Volleyball-Derby ohne Fans und Livestream: Die Stammspieler Robert Karl vom GSVE Delitzsch und Martin Burgartz vom L.E. Volleys e.V. im Interview vor dem Sonntags-Hit

Delitzsch/Leipzig. Am Sonntag (16 Uhr, Artur-Becker-Halle Delitzsch) steht das ewig junge Derby zwischen dem GSVE Delitzsch und den L.E. Volleys an – zum ersten Mal allerdings coronabedingt komplett ohne Zuschauer (ein Livestream ist aus baulichen Gründen ebenfalls nicht möglich). In der langen Geschichte des Duells ist viel passiert, die LVZ traf darum die beiden am längsten beim jeweiligen Verein aktiven Stammspieler zum Doppelinterview: Martin Burgartz (Leipzig) und Robert Karl (Delitzsch).


Seit wann genau sind Sie beide bei Ihren Klubs?

 

Karl: Ich bin 2012 nach Delitzsch gekommen. Einer meiner besten Freunde, Paul Geisler, ist ein Jahr davor von Leipzig dahin gewechselt. Ich war zu der Zeit bei den Volleys etwas unzufrieden und habe von ihm gehört, wie gut alles in Delitzsch ist und bin ihm dann quasi gefolgt.

 

Burgartz: Zu der Zeit gab’s mich auch schon bei den Volleys, da habe ich allerdings noch in der zweiten Mannschaft gespielt. Ich bin seit der Gründung der L.E. Volleys im Jahr 2009 im Klub, davor habe ich auch schon die Vorgängervereine VCL und VVL mitgenommen. Ab 2014 durfte ich mich dann in der ersten Mannschaft verwirklichen.

 

Wie gut kennen Sie sich gegenseitig?

 

Burgartz: Richtig große Berührungspunkte gab’s eigentlich nicht, außer wenn es mal ums Feiern ging. Oder wenn wir mal in Hüttenrode ein Turnier gespielt oder uns beim Uni-Volleyball getroffen haben.

 

Und in der zweiten Mannschaft hatten Sie keinen großen Kontakt zur ersten?

 

Burgartz: Es war damals noch nicht das Konzept wie jetzt, dass auch Spieler mit Potenzial aus der Zweiten nach oben geholt wurden. Damals war die erste Riege gesetzt, auch weil das Team viel zu gut war, als das man es mit anderen Spielern hätte auffüllen müssen.

 

Warum sind Sie beide letztlich so lange bei Ihren Vereinen geblieben und nie gewechselt?

 

Karl: Ich fühle mich, seitdem ich in Delitzsch bin, pudelwohl. Ich mag es dort menschlich und auch das Gesamtkonzept, bei dem sich Zweitliga-Volleyball und die Arbeit gut miteinander verbinden lassen. Ich hatte auch mal Angebote, in die Bundesliga zu wechseln. Das wäre aber nur für ein Jahr gewesen und hat letztlich nicht gepasst. So bin ich in meiner Traumschule, dem Wilhelm-Ostwald-Gymnasium, als Lehrer gelandet und im Nachhinein ist alles perfekt gelaufen.

 

Burgartz: Für mich gab es nie einen Grund wegzugehen. Ich fühle mich richtig wohl, laufe keine zehn Minuten zur Halle, dazu ist das ganze Umfeld sehr professionell aufgestellt. Zum anderen habe ich auch nie ein Angebot von einem anderen Verein bekommen. (lacht)

 

Nach dem Abstieg 2017/18 waren beide Klubs für ein Jahr nur noch drittklassig. Kam da nicht auch mal der Gedanke: Das ist nicht mein Niveau?

 

Burgartz: Die, die meinten, dass es nicht ihr Niveau ist, sind nach dem Abstieg gewechselt. Das fand ich menschlich nicht so cool, weil wir uns ja alle in die Scheiße reingeritten hatten. Der Rest hat sich dann gedacht „Ist ja auch mal schön, Meister zu werden“. Dass es nicht so klappen sollte und wir nur mit etwas Glück aufgestiegen sind, war uns damals nicht bewusst. Aber es war dennoch eine sehr schöne Saison.

 

Karl: Bei uns war es so, dass das Team zusammengeblieben ist. Uns war dann klar, dass Leipzig der härteste Konkurrent wird, aber wir Drittliga-Meister werden können, wenn wir richtig durchziehen. Das hat funktioniert, weil wir die ganze Zeit gut zusammengehalten haben.

 

Welches Derby ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

 

Karl: Wir haben mal 2012 oder 2013 in der Uni-Sporthalle vor weit über 1000 Zuschauern gespielt, darunter um die 300 Delitzscher, die ihre eigene Tribüne hatten. Das war richtig cool. Das Spiel ging 3:0 aus, aber alle Sätze waren sehr eng.

 

Für wen?

 

Karl: Für uns natürlich. (lacht)

 

Burgartz: Mir fällt kein bestimmtes Derby ein, aber ich weiß, dass ich in Delitzsch immer richtig schlecht gespielt habe, weil mich da die flache Halle einfach ankotzt. Wenn ich einen normalen Sprungaufschlag anwerfe, dann geht der dort an die Decke. Einmal habe ich deswegen einen Ball bei der Aufgabe so weit nach vorne geworfen, dass ich gar nicht mehr rangekommen bin. Das ist mir danach nie wieder passiert.

 

Was für ein Derby erwarten Sie diesmal?

 

Burgartz: Im Gegensatz zur Drittliga-Saison haben wir die komfortablere Situation. Delitzsch ist schon etwas mehr unter Druck, weil wir in der bisherigen Saison gezeigt haben, dass wir das bessere Team sind.

 

Karl: Also ich würde schon noch sagen, dass wir die bessere Mannschaft haben, aber Leipzig hatte in der Corona-Zeit die besseren Bedingungen. Bei uns fehlt der Kraftraum. Wir gehen sonst ins Fitnessstudio, die sind seit November geschlossen, was ein bisschen den Wettbewerb verzerrt. Darum fehlt uns aktuell die Form für die Zweite Liga.

 

Zum ersten Mal werden die Zuschauer bei einem Derby komplett fehlen. Was ändert das?

 

Karl: Es wird wohl sehr still werden. Früher haben sich die Spieler vor den Derbys richtig angegiftet, das hat sich inzwischen gelegt. Deswegen machen mittlerweile die Zuschauer das Derby aus.

 

Burgartz: Beim Derby waren normalerweise doppelt so viele Besucher da wie bei regulären Spielen. Wir hatten jetzt aber schon so viele Partien ohne Zuschauer, dass wir uns langsam dran gewöhnt haben. Ich fand es früher schon verrückt, wie in der Brüderhalle bei 900 Zuschauern ein normales Reden gar nicht mehr möglich war, weil es so laut war. Da mussten wir uns gegenseitig die ganze Zeit anschreien und ich war am nächsten Tag immer heiser. Da können wir jetzt unsere Stimmen ein wenig schonen. (lacht)

 

In dieser Woche kam die Nachricht, dass das für Sonnabend angesetzte Spiel der Volleys in Dresden wegen eines Corona-Falls bei den Gastgebern verschoben werden muss. Ist das eher ein Vor- oder ein Nachteil für Leipzig?

 

Burgartz: Ich sehe es eher positiv, weil wir so ausgeruht in den Sonntag starten können. Delitzsch muss dagegen vorher noch gegen Kriftel ran und könnte dabei Kräfte lassen. Wobei wir beim letzten Doppelspieltag auch erst in Friedrichshafen gewonnen und dann auch noch das Topteam Mimmenhausen weggeputzt haben.

 

Karl: Wir wollen auf jeden Fall beide Spiele gewinnen und uns als Team dabei verbessern. Wir haben jetzt viele Junge drin, von denen soll jeder seine Spielzeit bekommen. Mit ordentlich Kampf können wir bestimmt auch den Nachteil ausgleichen, dass wir einen Tag vorher schon spielen müssen.

 

Was ist Ihr Tipp fürs Derby?

 

Karl: 3:2 für uns.

 

Burgartz: Wenn die Fans das Spiel sehen könnten, würde ich auch auf ein 3:2 tippen, damit sie ein spannendes Duell geboten bekommen. Aber so sage ich lieber 3:1.

 

Und wieso nicht 3:0?

 

Burgartz: Da die Delitzscher zu Hause spielen, werden sie wohl schon einen Satz gewinnen.

 

Karl: Wir werden ein anstrengendes Wochenende haben, dazu ist Leipzig gut in Form und wird uns alles abverlangen. Aber wir siegen trotzdem, weil wir von den letzten acht Derbys sieben gewonnen haben. Als Mathelehrer gehe ich da einfach nach der Wahrscheinlichkeit. (lacht)

 

Von Christian Dittmar


Martin Burgartz von den LE Volleys ist 29 Jahre alt, gebürtiger Leipziger, Zuspieler, 1,86 Meter groß und arbeitet im Rehasport.

 

Robert Karl vom GSVE Delitzsch ist 30 Jahre alt, gebürtiger Dresdner, Mittelblocker, 1,98 Meter groß und arbeitet als Lehrer.

 

Im Bild 1: Robert Karl vom GSVE Delitzsch und Martin Burgartz von den L.E. Volleys. Foto: Christian Modla

 

LVZ Leipziger Volkszeitung, 27.03.2021